
Bei der LNG-Technik (Liquified Natural Gas - LNG) wird Erdgas durch Kühlung verflüssigt und dadurch im Volumen deutlich verringert. In Form von LNG kann Erdgas in speziellen Tankschiffen rentabel transportiert werden. Um LNG in das Erdgasnetz einspeisen zu können, muss es dann wieder in die Gasform umgewandelt werden (Regasifizierung).
Gazprom und Shell hatten sich im vergangenen Jahr grundsätzlich darauf geeinigt, 25% von dem Gemeinschaftsprojekt Sachalin Energy, an dem Shell mit 55% beteiligt ist, gegen einen 50%-Anteil an Gazproms Zapolyarnoye-Gasfeld in der Arktis zu tauschen. Wenige Tage nach der Grundsatzvereinbarung hatte Shell dann jedoch angekündigt, dass sich die Kosten für das Sachalin-2-Feld, das von Sachalin Energy erschlossen wird, auf rund 20 Mrd USD verdoppeln würden.
Gazprom hatte am Dienstag mitgeteilt, dass die Verhandlungen über den Beteiligungstausch seit Ende vergangenen Jahres auf Eis liegen. Der russische Energiekonzern wartet nach eigenen Angaben auf die Genehmigung der gestiegenen Kosten bei Sachalin Energy. Das Produktionsabkommen für Sachalin Energy mit dem russischen Staat sieht vor, dass die Regierung Kostensteigerungen genehmigen muss, wenn diese - wie im Fall Sachalin-2 - die anteiligen Erträge des russischen Staats schmälern.
Dem Shell-Konzern nahe stehende Personen sagten, dass Gazprom den britisch-niederländischen Ölkonzern nun gedrängt habe, dem russischen Unternehmen im Zuge der Tauschvereinbarung auch Zugang zu den LNG-Anlagen zu gewähren, die den US-Markt beliefern. Shell habe dieses zwar bislang abgelehnt, so die Personen. Der Entzug der für die weitere Erschließung des Sachalin-2-Felds notwendigen Umweltlizenz durch die russischen Behörden Anfang dieser Woche könnte das Unternehmen jedoch zu entsprechenden Zugeständnissen drängen, so die Personen.
Gazprom lehnte eine Stellungnahme dazu ab, ob es LNG-Beteiligungen von Shell als Teil der Tauschvereinbarung von Shell fordert. Shell wollte die Verhandlungen über den Sachalin-2/Zapolyarnoye-Tausch nicht kommentieren.
Gazprom-Vertreter hatten in der Vergangenheit wiederholt gesagt, dass das Unternehmen sich an LNG-Anlagen oder Regasifizierungskapazitäten in den USA beteiligen will. Hintergrund ist die zunehmende Konzentration des Unternehmens weg vom europäischen Markt hin zu weiter entfernten Märkten etwa in den USA, Japan und China.
Shell besitzt unter anderem die Rechte an 50% der Kapazitäten an einem LNG-Terminal im mexikanischen Baja. An diesem im Bau befindlichen Terminal soll ab 2008 LNG vom Sachalin-2-Feld angelandet werden. Shell besitzt einen Mehrheitsanteil an einem weiteren LNG-Terminal an Mexikos Ostküste und plant zwei weitere Anlagen in den USA am Golf von Mexiko und der Nordostküste. In den USA gibt es derzeit insgesamt vier LNG-Terminals. Weitere 40 Anlagen sind derzeit in Planung.
-Von Greg Walters und Benoit Faucon, Dow Jones Newswires, +49 (0)69 - 29725111,
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