
Amazon Deutschland hat derweilen ein erstes Stimmungsbarometer veröffentlicht. Laut Unternehmensangaben macht derzeit HD-DVD das Rennen. Mehr als drei Viertel der verkauften neuen hoch auflösenden DVDs sind derzeit HD-DVDs und nur 24 Prozent Blu-Ray Discs. Das Titel-Angebot ist bei beiden Standards nahezu gleich. Mit dem Start der PS3 wird sich das Verhältnis jedoch verschieben.
pressetext: Welchen Einfluss wird nun ein dritter Standard auf den Markt haben? Hoffmann: Für den Kunden wird es durch einen dritten Standard noch komplizierter, sich im Formatwirrwarr zurechtzufinden. Das schlägt sich wiederum im eher zögerlichen Kaufverhalten nieder. Ungewissheit ist immer eine hemmende Kraft im Markt und so lange sich nicht wirklich einer der Standards durchsetzt, wird sich an der Kaufhemmnis der Kunden nichts ändern. Warum sollten Sie auch sehr teure Abspielgeräte kaufen, wenn sie dann noch nicht einmal sicher sein können, dass dieses Gerät in Zukunft auch alle Medien abspielen kann, die sie sich kaufen. Kaum ein Otto-Normalverbraucher wird sich für alle drei Formate einen Player kaufen - schon allein durch die finanzielle Belastung ist das nicht möglich.
pressetext: Wenn sie die drei Standards (Blu-ray, HD-DVD und VMD) miteinander vergleichen. Hat ein Standard einen einzigartigen Vorteil, der ihn von den anderen deutlich abhebt? Hoffmann: Nicht wirklich. Die New Medium Enterprise spricht zwar davon, dass VDM-Datenträger zukünftig mit bis zu 20 Schichten und damit mit bis zu 100 Gigabyte ausgeliefert werden sollen, jedoch schreitet auch die Entwicklung von Blu-ray sowie HD-DVD voran. Ich glaube kaum, dass die Speicherkapazität den Ausschlag geben wird.
pressetext: Wie erwarten sie die preisliche Gestaltung der VMD gegenüber den beiden anderen? Hoffmann: Die Produktionskosten von VMDs sollen nach Angaben des niederländischen Herstellers ODMS bei neun Cent pro Stück liegen. Single-Layer DVDs werden zu Stückpreisen von etwa sechs Cent produziert. Inwiefern die Zahlen heute noch aktuell sind, lässt sich schwer abschätzen. NME hat für die USA Preise von 199 Dollar für den HD-VMD Media Player Duo und 249 Dollar für den HD-VMD Media Player Quattro angegeben.
pressetext: Stellt die VMD eine ernsthafte Konkurrenz dar? Hoffmann: Im Moment ist das schwer einzuschätzen, da dieses Format recht neu ist und NME noch kein großes Firmenkonglomerat um sich scharen konnte. Sobald sich das ändert, werden die Karten im Wettstreit um die DVD-Nachfolge neu gemischt. Aber gerade für den großen asiatischen Markt könnte eine bedeutende Rolle spielen, dass VMD kein Produkt US-amerikanischer Firmen ist.
pressetext: Wie positioniert sich Primera in dem DVD-Nachfolgestreit? Gibt es Strategien in eine Richtung? Hoffmann: Wir haben uns dazu entschlossen, uns auf keinen der Standards festzulegen, um somit bestmöglich alle Kunden zufrieden stellen zu können. Diese können frei entscheiden, ob sie einen Blu-ray-, HD-DVD- oder dann vielleicht bald einen VMD-Brenner in die Dupliziergeräte einbauen lassen. Dadurch sind wir auch unabhängig davon, welcher Standard sich letztlich durchsetzt.
pressetext: Was sind die Gründe für den eigenen Weg der Chinesen? Hoffmann: Der chinesische Markt ist am Boomen. Dagegen beobachten wir ein Stagnieren in den USA und Europa. Es ist kein Geheimnis, dass China die Führungsposition in der globalen Wirtschaft anstrebt. Warum sollten sich dann die Chinesen an Standards aus Amerika halten? Wirtschaftliche Führung ist gleichbedeutend mit wirtschaftlicher Macht - der Macht mitzubestimmen und selbst Regeln und Standards zu setzen, die für alle gelten.
pressetext: Muss eventuell die Lizenzpolitik überdacht werden? Hoffmann: Die Lizenzpolitik ist ein entscheidender Faktor, um ein Produkt erfolgreich im Markt zu platzieren. Letztendlich ein weiterer Grund der Chinesen, einen eigenen Standard zu entwickeln, da Sie dann von niemandem abhängig sind. Allerdings gestaltet sich die Lizenzvergabe nicht so einfach, wie sich manche das vorstellen, da alle drei Verfahren auf einer Vielzahl von Patenten und damit verbundener Lizenzen aufbauen. Somit müssen sich auch die Chinesen an Regeln halten, wenn Sie außerhalb des eigenen Marktes verkaufen wollen.
pressetext: Welcher Standard hat die besten Chancen zu siegen? Hoffmann: Das werden letztlich die Konsumenten durch ihr Kaufverhalten entscheiden. Im Moment mag vielleicht VMD ein wenig gegenüber Blu-ray und HD-DVD im Nachteil sein, da hinter VMD kein großes Firmenkonsortium wie bei den anderen beiden Standards steht. Ferner beginnt NME erst jetzt mit der Auslieferung der ersten VMD-Players. Jedoch hat NME bereits Verträge mit sechs großen indischen Filmvertrieben abgeschlossen, so dass wohl zehn Bollywood-Filme im Bundle mit einem VMD-Player auf den asiatischen Markt kommen. Diese sollen über indische E-Commerce-Seiten vertrieben werden. So sucht sich auch NME starke Partner, die den Verkauf der Player fördern sollen. Gerade für den asiatischen Markt könnte daher das VMD-Format die besseren Chancen haben. Die Industriegeschichte hat schon mehrmals gezeigt, dass keine Entwicklung wirklich 100-prozentig voraussehbar ist. Auch wenn zum jetzigen Zeitpunkt Blu-ray und HD-DVD vorne liegen, kann uns der VMD-Standard noch überraschen. Denn, wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte.
pressetext: Vielen Dank für das Gespräch. (Ende)
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March 03, 2007 00:16 ET (05:16 GMT)
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