
Die Norddeutsche Landesbank ist wider
Willen zum neuen Großaktionär des strauchelnden Handyzulieferers
Balda
"Im Wesentlichen haben wir die Aktien schon im vergangenen Jahr gekauft", sagte der Banksprecher. Im Dezember hatte der Kurs um 10 Euro gependelt; heute steht er bei 3,80 Euro. "In der 2007-er Bilanz haben wir bereits eine Rückstellung gebildet über 82,5 Millionen Euro." Die Summe sei aber nicht Balda alleine geschuldet, ergänzte der Sprecher. Der Kunde habe noch weitere Aktien geordert. "Es ist derzeit offen, ob der Bank letztlich ein Schaden entsteht." Die Gespräche mit dem Kunden liefen.
INVESTOREN REBELLIEREN
Wer der Kunde ist, wollte der Sprecher der NordLB nicht sagen. Ein Balda-Sprecher sagte, er habe keinen Anhaltspunkt, wer hinter dem Geschäft stecke. Zu den bekanntesten Investoren bei Balda gehören der ehemalige Premiere-Chef Georg Kofler und der US-Investor Guy Wyser-Pratte mit jeweils rund 5 Prozent.
Nach dem missglückten Verkauf der europäischen Handygehäuse-Produktion fordert Wyser-Pratte personelle Konsequenzen. Der Aufsichtsratsvorsitzende Richard Roy müsse gehen, sagte er dem "Handelsblatt" (Montagausgabe). Er habe es versäumt, in der Umbauphase den Vorstand zu kontrollieren und zu unterstützen. Auch Michael Treichl, dessen Fonds Audley Capital 10 Prozent an Balda hält, schlug gegenüber dem Blatt in die gleiche Kerbe. Vorstandschef Joachim Gut verschonten die Großaktionäre jedoch - er sei wegen seines weit verzweigten Kontaktnetzes insbesondere in Baldas Zukunftsmarkt Asien nicht einfach austauschbar, sagte Wyser-Pratte.
TÖCHTER ZURÜCKGEKAUFT
Die Balda AG hatte am Freitag bekanntgegeben, dass sie ihre zum Jahresende an die KS Plastic Solutions GmbH übertragenen drei Tochtergesellschaften Balda Solutions Deutschland GmbH, Balda Werkzeug- und Vorrichtungsbau GmbH sowie die Balda Solutions Hungaria Kft. zurückerworben hat. Dies befreit die Balda AG vom Zwang, die 2007-er Verluste der Gesellschaften sofort und in voller Höhe auszugleichen. Aus Londoner Finanzkreisen hatte es geheißen, KS habe 25 Millionen Euro gewollt. Ein Balda-Sprecher hatte zuvor von unter 30 Millionen Euro gesprochen. Die Forderungen hatten die Balda AG in akute Finanznot gebracht. Die Gefahr einer Insolvenz bestand. Mittlerweile hat Balda aber einen neuen Geldgeber gefunden. Dessen Identität wird aber geheim gehalten.
Die Mitarbeiter fordern ob des missglückten Verkaufs
Konsequenzen in der gesamten Führungsetage. "Wenn sie geschlafen
haben, haben sie alle geschlafen", sagte Helmut Kunz,
Betriebsratschef der Balda Solutions Deutschland. "Da muss man sich
doch nur vernünftige Anwälte für die Verkaufsverhandlungen besorgen,
dann können solche hohen Forderungen nicht entstehen." Kunz sieht
ausdrücklich auch Vorstandschef Gut in der Pflicht. "Er hat den
Umbau zu spät angestoßen." Die Pleite des Hauptkunden BenQ Mobile -
die ehemalige Siemens-Handysparte
LOHN MIT EINEM TAG VERSPÄTUNG
Die Mitarbeiter kümmere das Hickhack nicht mehr, sagte Kunz, sie seien abgestumpft. "Die Leute sind froh, dass sie ihr Gehalt bekommen haben." Statt am Freitag haben die Beschäftigten erst am Montag ihr Geld erhalten. Ein Unternehmenssprecher begründete die Verzögerung mit dem Rückkauf der europäischen Handygehäuse-Produktion; Geld sei vorhanden gewesen. In Deutschland arbeiten nach Betriebsratsangaben für Balda noch rund 600 Menschen, 450 davon in den weiterhin zum Verkauf stehenden Töchtern. Weltweit beschäftigt der Konzern rund 7.500 Menschen, die meisten davon in der asiatischen Handygehäuse- und Touchscreen-Produktion./das/he
ISIN DE0005215107
AXC0180 2008-03-10/17:51