
In Italien ist die Solardeckelung vom Tisch. Dennoch drohen Subventionskürzungen im Heimatland von Pizza und Bunga Bunga...
In der Solarbranche sind derzeit die Bären los. Bereits zu Beginn letzter Woche war die Verunsicherung am Markt deutlich spürbar: Da eine Entscheidung der italienischen Regierung über die pauschale Deckelung des Zubaus erwartet wurde, trennten sich viele Aktionäre von ihren Solarwerten. Selbst die Bekanntgabe des rekordträchtigen Quartalsgewinns von Jinko Solar zum Wochenauftakt konnte die aufkeimende Verkaufspanik nicht verhindern.
Italien ist derzeit Europas drittgrößter Markt für Solarprodukte. Eine drastische Kürzung der Subventionen würde auch die Gewinnaussichten der chinesischen Solarkonzerne beeinträchtigen. Ganz so schlimm wie befürchtet kam es freilich nicht: Gestern sprach sich herum, dass die Regierung Berlusconi die jährliche Zubaugrenze von 8 Gigabyte überraschenderweise abgelehnt hat. Dennoch soll es ab Juni eine Subventionskürzung geben. Wie hoch sie ausfallen wird, ist allerdings noch nicht geklärt. Aktuell rechnen einige Marktforscher damit, dass Italien 2011 einen Weltmarktanteil von rund 30 Prozent erringen kann. Ob dies eine realistische Einschätzung ist, wird sich im April zeigen, wenn in Rom über die anstehende Reduzierung der Fördermittel entschieden wird.
Zumindest der chinesische Branchenprimus Suntech Power gibt sich in dieser Beziehung optimistisch. Das Unternehmen erwartet, in diesem Jahr etwa 10 Prozent seines Produktionsvolumens in Italien absetzen zu können. Insgesamt sollen 50 Prozent aller Solarprodukte des Konzerns nach Europa geliefert werden. Diese Werte entsprechen in etwa dem Resultat vom letzten Jahr. Zwar rechnet auch Firmenchef Zhengrong Shi für 2011 mit einem Überangebot und sinkenden Verkaufspreisen. Doch sei dies summa summarum nicht so dramatisch, da niedrigere Preise seiner Ansicht nach auch die Nachfrage beleben.
Doch es gab in dieser Woche neben Italien noch einen zweiten Spielverderber, nämlich ReneSola. Die Quartalszahlen des Unternehmens waren zwar grundsolide, doch der Ausblick enttäuschte die Anleger. Der Absatz legte im Dezemberquartal um 72 Prozent zu auf einen Rekordwert von 349,4 Megawatt. Der Umsatz verdoppelte sich dabei auf 386,4 Millionen US-Dollar, während der Nettogewinn 61 Millionen US-Dollar betrug. Im Vorjahr hatte das Unternehmen im gleichen Zeitraum noch einen Verlust von 28,1 Millionen US-Dollar ausgewiesen. Selbst die Bruttomarge lag bei 30,9 Prozent – ein durchaus solider Wert, zumal die Gewinnspanne im Vorjahr noch desaströse minus 0,6 Prozent betragen hatte.
Allerdings kam erschwerend hinzu, dass der Preis für Polisilizium zuletzt aufgrund der ausgereizten Produktionskapazitäten deutlich gestiegen war. Doch auch hier wurde von ReneSola Entwarnung gegeben: Bereits in diesem Jahr will der Konzern 30 Prozent seines Bedarfs durch Polysilizium aus eigener Herstellung decken. Um dieses Ziel zu erreichen soll die Produktionsmenge auf 3.500 Tonnen ausgebaut werden. Gleichzeitig hofft das Unternehmen, die Herstellungskosten von derzeit 45 US-Dollar pro Kilogramm bis Ende Dezember auf 35 US-Dollar reduzieren zu können. Weitaus schwerer wog jedoch die enttäuschende Prognose für das laufende Quartal: Aufgrund des gestiegenen Konkurrenzdrucks erwartet ReneSola einen Umsatz von 310 bis 330 Millionen US-Dollar, was unter den bisherigen Schätzungen der Analysten liegt. Diese Meldung vermieste den Anlegern nachhaltig die Stimmung: An der Börse New York fiel der Kurs von ReneSola nach Bekanntgabe der Zahlen um 16,7 Prozent.
Derweil können sich Chinas Solarkonzerne über weitere Großaufträge freuen: Hanwha SolarOne wird dem chinesischen Stahlhersteller CNBM International Corporation in diesem Jahr Solarmodule mit einer Leistung von 50 Megawatt liefern. Im gleichen Zeitraum wird die S.A.G. Solarstrom aus Freiburg von Canadian Solar Module mit einer Leistung von insgesamt 60 Megawatt beziehen. Auch JA Solar bekam einen Auftrag aus Deutschland: Die Solar Fabrik AG will in diesem Jahr Solarprodukte mit einer Leistung von mehr als 110 Megawatt abnehmen. Trina Solar hat wiederum mit dem US-amerikanischen Unternehmen Zep Solar ein Lizenzabkommen geschlossen. Zep offeriert den US-Kunden ein preiswertes System zur Installation von Solardächern. Mit dieser Kooperation hat Trina große Chancen, seine Präsenz auf dem aussichtsreichen Wachstumsmarkt zu verstärken. Im dritten Quartal sollen die ersten Module des chinesischen Unternehmens angeboten werden.
Die im Solactive China Solar Index enthaltenen Einzelwerte sind:
Yingli Green Energy Holding
JA Solar Holdings
Canadian Solar
Trina Solar
Hanwha SolarOne
ReneSola
China Sunergy
Suntech Power Holdings
LDK Solar
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