
Besonders deutlich wird der Umfang des Imports im Vergleich zu China. Im 1. Quartal 2011 importierten deutsche Unternehmen, meist Handelsfirmen und sogenannte Systemintegratoren, Solarzellen- und Module im Wert von € 881 Mio. aus China.
Die Exporte deutscher Solarunternehmen fielen dem gegenüber weiter zurück. Wichtigste Abnehmerländer waren in absteigender Reihenfolge: Italien ( € 447 Mio.), Frankreich ( € 170 Mio.) und Tschechien ( 85 Mio.). Besonders überraschend: Solar-Neueinsteiger Griechenland schob sich als Zielland deutscher Exporte (€ 55 Mio.) überraschend auf Platz 4 und lag damit vor Belgien (€ 49 Mio.) und Spanien (€ 43 Mio.).
Besorgniserregend: Die Märkte aller Länder bei denen Deutschland gegenwärtig noch erfolgreich ist, werden auf Grund von staatlichen Kürzungsmaßnahmen in 2011 schrumpfen. Dies schließt auch den weiteren PV-Neueinsteiger Großbritannien ( € 21 Mio.) ein.
In den USA, die von vielen Unternehmen als Wachstumsmarkt der Zukunft angesehen wird, haben es deutsche Unternehmen wider Erwarten schwer, Fuß zu fassen. Obwohl der US-Marktführer First Solar kaum aus den USA exportiert, da er in Deutschland Fabriken hat, konnte die USA einen Handelsüberschuss ( € 88,1 Mio.) im Vergleich zu Deutschland ( € 40,7 Mio.) verzeichnen. Die weiteren potenziellen Zukunftsmärkte Türkei ( € 966.000) und die Vereinigten Arabischen Emirate mit Dubai und Abu Dhabi (€ 1.0 Mio.) erweisen sich als kaum aufnahmefähig.
Immer noch haben chinesische Unternehmen wie Suntech, Trina, Yingli und Co entscheidende Vorteile gegenüber ihren deutschen Wettbewerbern: Sie werden vom Staat mit günstigen Krediten subventioniert und haben deutlich niedrigere Produktionskosten. Auf die zunehmenden Wettbewerbsverzerrungen auf dem Solarmarkt weist die HTW Berlin hin. Neben öffentlichen Ausschreibungen, die indirekt heimische Mitbewerber bevorzugen, sind dies zinsgünstige Kredite durch staatliche Banken in China.
Aktuelles Beispiel ist ein Kredit über € 7 Mrd. der China Merchants Bank Co. und der China Development Corp. (CDB) für die Expansion auf dem europäischen Solarmarkt. Kreditnehmer sind der Modulhersteller Goldpoly New Energy Holdings Ltd., die TBEA SunOasis Co. und die China Technology Development Group Corp. (CTDC).
Erst wenige Tage zuvor am 2.06.2011 erhielt Yingli Energy Company Ltd. , Tochtergesellschaft der Yingli Green Energy Holding einen € 125 Mio.-Kredit der China Citic Bank (CITIC) und der Bank of China (BOC).
"Der PV-Markt ist im Grunde ein künstlicher Markt", so Solarexperte Wolfgang Hummel von der HTW Berlin. "Er ist wesentlich abhängig von Regierungsentscheidungen. Er ist wesentlich abhängig von Haushaltsengpässen." Ob sich die Schlinge um die finanziell angeschlagenen Solarunternehmen Q-Cells, Conergy und Solon jetzt weiter zuzieht und welche Solarunternehmen aus China Wolfgang Hummel favorisiert, erfahren Sie im Interview.
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