
Der Deutschen Telekom kommt eine seit Jahren schwelende Schmiergeldaffäre auf dem Balkan teuer zu stehen. Der Fall hatte Wellen bis in die USA geschlagen. Um die Sache in Übersee aus der Welt zu schaffen, zahlen der Bonner Konzern und seine osteuropäische Tochtergesellschaft Magyar Telekom im Rahmen eines Vergleichs nun rund 95 Millionen US-Dollar (74 Mio Euro), wie das US-Justizministerium und die Börsenaufsicht SEC am Donnerstag in Washington erklärten.
"Der Vergleich beendet die Ermittlungen gegen die Deutsche
Telekom
Die Telekom zahlt im Rahmen des Vergleichs mit der US-Justiz 4,36 Millionen Dollar. Der Konzern habe es versäumt, seine 60-prozentige Tochter Magyar hinreichend zu kontrollieren, erklärten das Justizministerium und die SEC. Sie warfen der Telekom außerdem vor, ihre Buchführungs- und Berichtspflichten verletzt zu haben. "Der Deutschen Telekom wird nicht die Verletzung des Bestechungsverbots vorgeworfen", betonte die Telekom-Sprecherin. Magyar zahlt 59,6 Millionen Dollar, um das Strafverfahren beizulegen, und weitere 31,2 Millionen Dollar, um einem Zivilverfahren mit der SEC aus dem Weg zu gehen.
Die US-Justiz hatte sich in den Fall eingeschaltet, weil die
Telekom zum Zeitpunkt der Vorfälle noch an der New Yorker Börse
gelistet war. Den Bonnern gehört mit T-Mobile USA der viertgrößte
Mobilfunkanbieter in den Vereinigten Staaten; gerade erst war der
Verkauf an AT&T
Auch die deutsche Justiz ermittelt seit Jahren wegen der Schmiergeldvorwürfe. Sogar Telekom-Chef René Obermann war in die Schusslinie geraten, weil er zu der fraglichen Zeit der Chef der Mobilfunksparte war. Die Bonner Staatsanwaltschaft hatte aber ihre Ermittlungen gegen Obermann im Januar eingestellt mit der Begründung, der Anfangsverdacht habe sich nicht bestätigt. Der Vergleich in den USA muss noch von einem Gericht abgesegnet werden./das/DP/jha/
ISIN DE0007236101 DE0005557508 DE0007100000 US00206R1023
AXC0118 2011-12-29/18:59