
LONDON (dpa-AFX) - Die britische Großbank HSBC
Möglich wird der Aktienrückkauf durch die Veräußerung des Brasilien-Geschäfts. Das spült gut 5 Milliarden Dollar in die HSBC-Kasse. Mit der einen Hälfte will der Konzern seine Kapitalpuffer stärken, die andere soll den Aktionären zugute kommen. Im Juni lag die harte Kernkapitalquote bei 12,1 Prozent, 0,2 Prozentpunkte höher als drei Monate zuvor. Durch den Brasilien-Verkauf soll sie auf 12,8 Prozent steigen. Eigenkapital gilt als wichtiger Puffer gegen neue Schieflagen.
Im zweiten Quartal konnte sich die Bank der allgemeinen Branchenschwäche sowie den wirtschaftlichen Problemen in vielen für den Konzern wichtigen Ländern nicht entziehen. Im Gegensatz zu vielen Konkurrenten verdiente die gemessen am Börsenwert größte europäische Bank aber immer noch viel. Der Vorsteuergewinn fiel um 45 Prozent auf 3,6 Milliarden Dollar (3,2 Mrd Euro) - bereinigt um Sondereffekte ging es um zehn Prozent auf 5,4 Milliarden Dollar zurück.
Unter dem Strich verdiente die Bank 2,35 Milliarden Dollar - das
sind 44 Prozent weniger als vor einem Jahr, aber noch immer deutlich
mehr als die Konkurrenz. Zum Vergleich: Die Deutsche Bank
Am langfristigen Ziel einer Eigenkapitalrendite von mehr als zehn Prozent hielt die HSBC zwar fest. Der bisher gesetzte Zeitpunkt, die angepeilte Profitabilität bis Ende 2017 zu erreichen, sei wegen der anhaltend niedrigen Zinsen und der Unruhe an den Kapitalmärkten jedoch nicht mehr realistisch, erklärte Verwaltungsratschef Douglas Flint. Im ersten Halbjahr lag die Rendite bei 7,4 Prozent, vor einem Jahr waren es noch 10,6 Prozent.
"Wir reagieren paranoid auf alles, was irgendwo passiert", klagte Vorstandschef Stuart Gulliver über die allgemeine Stimmung gegenüber europäischen Banken an den Kapitalmärkten. Zugleich betonte er, dass sein Institut eines der wenigen sei, dass überhaupt noch ein ordentliche Dividende zahle. Allerdings werde diese zunächst auf dem bestehenden Niveau bleiben.
Flint machte zugleich klar, dass es trotz der turbulenten Zeiten keine Zweifel an der Strategie gebe. Angesichts der schwächelnden Konjunktur in China hatte die Bank schon vor einem Jahr ein neues Sparprogramm aufgelegt. Erneut sollen tausende Stellen wegfallen und allein in Asien das Geschäftsvolumen um rund 150 Milliarden Dollar sinken. HSBC hat seit 2011 bereits mehr als 87 000 Stellen im Konzern abgebaut und mindestens 80 Geschäftsteile aufgegeben oder verkauft. Dabei zog sich die Bank aus 17 von einst 88 Ländern zurück. Aktuell beschäftigt HSBC noch gut 250 000 Menschen.
Zu den Folgen des Brexits hielt sich die Bankspitze bedeckt. "Wir beobachten unser Portfolio genau, so dass wir schnell mögliche Stressbereiche entdecken können", sagte Vorstandschef Gulliver. Derzeit sei es aber noch zu früh um zu sagen, welche Geschäftsteile wie betroffen sein werden. Vor dem Referendum im Juni hatte HSBC gewarnt, bei einem EU-Austritt Großbritannien 1000 Beschäftigte von London nach Paris zu versetzen./enl/nmu/stb
ISIN DE0005140008 GB0005405286
AXC0094 2016-08-03/11:22