
Die weltweite Stahlindustrie steht vor
einer umfassenden Umwälzung: Der Expansionsdrang vor allem der
Marktführer Mittal Steel
Mit dem Übernahmeangebot übertrumpfen die Düsseldorfer eine Offerte von Arcelor, der allerdings noch nachlegen könnte. Arcelor will wie Mittal seine jährliche Produktionskapazität auf 100 Millionen Tonnen erhöhen und damit dem allgemeinen Brachentrend folgen. Im vergangenen Jahr kamen die beiden Schwergewichte auf 66 Millionen Tonnen (Mittal) und 53 Millionen Tonnen (Arcelor). "Den Weltstahlmarkt dürften in 10 bis 15 Jahren nur Stahlhersteller mit einer Jahresproduktion von je 100 Millionen Tonnen dominieren", meint Uwe Perlitz, Stahlanalyst bei der Deutschen Bank. Ohne massive Firmenzukäufe könnten Arcelor und Mittel dieses Ziel kaum erreichen.
BESONDERES AUGENMERK AUF CHINA
Im Fokus der beiden Konzerne stehen dabei vor allem Osteuropa und Asien, wo eine Reihe von Stahlunternehmen privatisiert werden. Besonderes Augenmerk haben die Manager auf China geworfen - dem größten Stahlproduzenten der Welt. Die chinesische Regierung will die mehrere hundert kleinen bis mittelgroßen Stahlkocher konsolidieren und damit Rohstoffe besser nutzen. Beteiligungen ausländischer Konzerne sind dabei erwünscht. Mit der Konzentration würden die Branche und vor allem die Preise stabilisiert, sagte kürzlich Mittal-Präsident Aditya Mittal auf einer Branchenkonferenz.
Wie wichtig das Eingreifen von Chinas Führung ist, zeigt das ungezügelte Wachstum der Stahlbranche. Entgegen dem allgemeinen Markttrend fallen die Preise in China. Hintergrund ist eine Überproduktion, die nach Angaben von chinesischen Experten im kommenden Jahr bei 117 Millionen Tonnen liegen könnte. Zum Vergleich: In deutschen Hütten werden in diesem Jahr rund 46 Millionen Tonnen Stahl geschmolzen. Nach Einschätzung von Experten könnte der Überhang in China die weltweiten Stahlpreise unter Druck setzen. Bereits 2005 hatte die Branche Preisrückgänge hinnehmen müssen, da die Kunden hohe Lagerbestände aufgebaut hatten. 2006 rechnen die europäischen Hersteller allerdings mit einer Erholung der Preise.
THYSSENKRUPP WILL QUALITÄT STATT GRÖSSE
Anders als die meisten Wettbewerber will ThyssenKrupp Steel ausschließlich Produzenten von hochwertigem Stahl kaufen. Dofasco sieht Thyssen-Finanzvorstand Stefan Kirsten als als "Exempel für künftige Zukäufe". Zukäufe in China oder Osteuropa schloss er daher aus, da dort Masse vor Qualität geht. "Unser Ziel ist nicht der größte Stahlhersteller zu sein, sondern der profitabelste", sagt Kirsten. Mit dem Erwerb von Dofasco würde ThyssenKrupp vom zehnten auf den sechsten Rang der weltgrößten Stahlhersteller aufrücken.
Trotz der niedrigen Marktkapitalisierung sieht Kirsten ThyssenKrupp nicht als Akquisitionsziel. Die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung erhöhte kürzlich ihre Beteiligung auf knapp 24 Prozent und könnte damit jeden feindlichen Übernaheversuch vereiteln. Der Manager betonte allerdings: "Jeder spricht mit jedem". Also haben die Düsseldorfer auch mit Corus und Arcelor über ein Zusammengehen gesprochen.
SALZGITTER WILL UNABHÄNGIGER NISCHENANBIETER BLEIBEN
In Deutschland drehen sich die Spekulationen vor alle um die
Salzgitter AG
Der Konzern will eigenständig bleiben und sieht sich nach Aussage von Leese in dem Konsolidierungsprozess als "Nischenanbieter von qualitativ hochwertigen Produkten" gut positioniert. Die Niedersachsen wollen selbst weiter wachsen. Für organisches Wachstum gebe es da allerdings nur noch einen geringen Spielraum, sagte Leese. "Weitere große Wachstumsschritte können durch Zukäufe in den Unternehmensbereichen Stahl, Röhren und Handel realisiert werden."
Das kommende Jahr wird nach Einschätzung der Experten wie schon 2005 ein Rekordjahr für die Stahlkonzerne. Getragen von der hohen Nachfrage der Schwellenländer China und Indien werde der Stahlausstoß bis zum Jahr 2015 um jährlich fünf Prozent zulegen, sagt Deutsche-Bank-Analyst Perlitz. Die Produktionsleistung wird sich demnach innerhalb von zehn Jahren auf knapp zwei Milliarden Tonnen verdoppeln./mur/sb/cs
--- Martin Murphy und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX ---
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ISIN DE0007500001 DE0006202005 NL0000361939 LU0140205948
AXC0013 2006-01-01/09:05