
20. Juni. Ein weiterer Länderindex der Deutschen Börse, der DAXglobal BRIC Index, bietet Investoren Zugang zu den Wachstumsmärkten Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC).
Pro Land enthält der Index zehn Unternehmen, die nach Marktkapitalisierung ausgewählt werden und ein durchschnittliches tägliches Handelsvolumen von über 1 Millionen Euro aufweisen müssen. Die Gewichtung der einzelnen Unternehmen basiert auf der Marktkapitalisierung und ist pro Unternehmen bei 10 Prozent und pro Land bei 35 Prozent gekappt. Die Indexzusammensetzung wird jährlich im September überprüft. Der Index wird von 9 bis 22 Uhr aus den Notierungen an den jeweiligen Heimatbörsen berechnet.
Der DAXglobal BRIC Index hat in der historischen Betrachtung seit September 2001 bei einer durchschnittlichen jährlichen Volatilität von 22,2 Prozent eine Gesamtrendite von fast 200 Prozent generiert. Hieraus ergibt sich eine bessere Performance bei gleichzeitig geringerer Volatilität als bei entwickelten Märkten.
Trotz Kurseinbrüche auf Wachstumspfad
BRIC als Anlagekonzept basiert auf einer einfachen Formel: Rohstoffreichtum + ungesättigter Konsumbedarf = starkes Wirtschaftswachstum. Neben dem neuen DAXglobal BRIC Index bieten eine ganze Reihe Anlageinstrumente an der Börse Frankfurt Investoren Zugang zu den vier Wachstumsmärkten Brasilien, Russland, Indien und China (BRIC).
Allein ihre Größe beeindruckt, denn mit mehr als 2,7 Milliarden Einwohnern vereinen die BRIC-Staaten 42,5 Prozent der Weltbevölkerung auf sich. Sie verfügen über rund 30 Prozent der globalen Ressourcen und sind damit wesentlicher Wachstumstreiber der Weltwirtschaft. Das Wirtschaftswachstum in den BRIC-Staaten, das mit Raten von bis zu 10 Prozent im 1. Quartal 2006 die Erwartungen der Investoren mehr als erfüllt hat, soll auch in den kommenden 30 Jahren im Durchschnitt über 5 Prozent liegen - langfristig gute Aussichten für Investoren, also.
Die weltweiten Kurseinbrüche an den weltweiten Aktienmärkten in den vergangenen Wochen haben auch die BRIC-Staaten nicht verschont. Während die dortigen Aktienmärkte vor kurzem noch mit jährlichen Kurszuwächsen von teilweise weit mehr als 100 Prozent aufwarten konnten - und damit die Performance der europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte weit übertrafen - ging es seit Mitte Mai 2006 stetig abwärts. Der massive Ausverkauf an diesen Märkten wurde größtenteils mit den Zinsängsten in den USA und Europa begründet.
Positive fundamentale Aussichten
Hans Hoelzl, Manager eines Asien/Pazifik-Fonds bei Union Investment, sieht nach wie vor ein positives fundamentales Umfeld in den BRIC-Ländern. "Die Abwärtsbewegung der letzten Wochen wurde vor allem durch exogene Einflüsse ausgelöst. Viele Investoren, die möglicherweise nicht vollständig über die Lage in den Regionen informiert und trotzdem dort engagiert waren, sind daraufhin vorsichtshalber ausgestiegen und haben die aufgelaufenen Gewinne gesichert. Eine richtige Kettenreaktion also." Die riskanteren Asset-Klassen - wie Rohstoffe und Emerging Markets - seien im vergangenen Jahr extrem gut gelaufen und auch nach den Kurseinbrüchen wären diese Aktien keineswegs "skandalös billig", sondern würden sich nun auf einem fairen Bewertungsniveau bewegen.
Durch die enormen Gewinne an den Aktienmärkten der BRIC-Staaten, liegen die Leitindizes nun nach den teils drastischen Kurseinbrüchen der vergangenen Wochen im Jahresvergleich immer noch recht bequem im Plus. Aktuell beträgt das Jahresplus des indischen Sensex 36 Prozent, des russischen RTS gar noch 102 Prozent und des brasilianischen Bovespa fast 45 Prozent. Einzig der chinesiche Hang Seng liegt mit rund 14 Prozent Jahresplus unter dem deutschen Bluechip-Index DAX, dessen Jahresgewinn durch die Verluste auf knapp 20 Prozent zusammengeschrumpft ist.
BRIC-Länder ergänzen sich perfekt
Die Besonderheit des BRIC-Gebildes liegt in den Wechselbeziehungen zwischen den einzelnen Ländern. Während Brasilien und Russland besonders als Rohstoff- und Energielieferanten in Erscheinung treten und z.B. vom hohen Ölpreis profitieren, punkten Indien und China vor allem mit ihrem schier unerschöpflichen Pool an Arbeitskräften für Produktion und Dienstleistungen. Nicht nur nach außen rundet sich das Bild ab. Während z.B. China von Brasilien Rohstoffe bezieht, hilft das asiatische Land auch beim Aufbau einer besseren Infrastruktur im südamerikanischen Staat.
Brasilien mit den größten Vorkommen an Eisen, Mangan, Kupfer, Nickel und Bauxit gilt als größtes Rohstofflager der Welt. Andere Sektoren wie Telekommunikation, Versorger und Finanzen, haben ebenfalls gutes Potential. Russland, das über 20 Prozent der weltweiten Rohöl- und 35 Prozent der Erdgasreserven verfügt, stellt eine der Hauptenergiequellen weltweit dar. Zudem ist Russland Marktführer bei Edelmetallen wie Palladium, Platin und Titan.
"Im BRIC-Gefüge ähneln sich Russland und Brasilien besonders aufgrund der Rohstoffvorkommen in den Ländern. Öl, Gas und Metalle sind hier die Wachstumstreiber. Die strukturell bedingten Wachstumsmöglichkeiten haben sich hier nicht verändert. Aber auch diese Märkte sind abhängig von der Weltkonjunktur. Fallende Rohstoffpreise wirken sich zum Beispiel negativ aus", sagt Martin Hrdina, Manager eines Osteuropa-Fonds bei Union Investment. Er sieht besonders in Russland eine kaufkräftige Mittelschicht, die nicht nur konsumieren will, sondern auch kann. Desweiteren verändere sich der Fokus ausländischer Investoren, die sich bisher auf den rohstoffnahen Bereich konzentriert hätten. "Auch andere Sektoren wollen nun vor Ort produzieren und nicht nur dorthin verkaufen. Russische Arbeitskraft gibt es ebenfalls zu adäquaten Kosten", schließt der Fondsmanager ab.
Milliardenvölker Indien und China
Als Gegenstück zu den rohstoffreichen Ländern sind Indien und China vor allem reich an Einwohnern. Während in Indien gut ausgebildete und englischsprachige Arbeitskräfte für Wachstum vor allem in den Sektoren Informationstechnologie und Finanzdienstleistungen sorgen, werden in China, auch als weltweit größte Werkhalle bezeichnet, eine Vielzahl elektronischer Geräte und Textilien gefertigt.
"Mit Raten um 10 Prozent im 1. Quartal haben sowohl Indien als auch China die Markterwartungen bezüglich des wirtschaftlichen Wachstums sogar übertroffen. Dieses Wachstum sollte sich auch in den nächsten Monaten fortsetzen", beschreibt Hans Hoelzl die fundamentale Lage in der Region. In China herrsche auch weiterhin ein enormer Bedarf nach Konsumgütern, denn trotz einer immer noch breiten Armutsschicht hätte sich vor allem in den Handelszentren eine kaufkräftige Mittelschicht herausgebildet. "China kann außerdem mit einer guten Infrastruktur aufwarten. Diesbezügliche Entscheidungen können aufgrund des zentralisierten politischen Systems schnell getroffen werden". Nach Ansicht von Hans Hoelzl einer der Hauptgründe warum sich China als "Werkbank der Welt" etabliert hat. Die hier produzierten Güter hätten auch eine weitaus bessere Qualität, als das von früher bekannt wäre. Nun gelte es, die chinesische Volkswirtschaft unabhängiger von der reinen Produktionsleistung für das Ausland zu machen. "China will sich selbst tragen und im Land genug Konsum aufbauen, um einen inländischen Absatzmarkt für seine Produkte und Dienstleistungen zu schaffen."
Risiken stellten besonders Chinas Abhängigkeit von Rohstoffen, insbesondere Öl, sowie politische Spannungen im Landesinneren dar. Diese nicht industrialisierten Regionen hätten bisher kaum vom Wachstum in den Handelszentren profitiert. "Die Regierung hat dies jedoch erkannt und versucht nun, das Wachstum ins Hinterland zu tragen. Man rechnet wohl damit, dass im Sinne von Brot und Spiele mehr Wohlstand und Kaufkraft die Stimmung wieder beruhigt."
Indien wächst in neue Bereich
"Indien verzeichnet nach wie vor starkes Wachstum vor allem im IT-Dienstleistungsbereich. Das Outsourcing in diesem Sektor, besonders durch US-Firmen, wächst weiter", beschreibt Hans Hoelzl das enorme Potential der indischen Wirtschaft. Aber auch relativ neue Bereiche, z.B. das Outsourcing von Research and Development-Aktiviäten in den Sektoren IT und Financial Services, böten starke Wachstumschancen. "Das Geschäft mit Generika, die ursprünglich für den medizinischen Eigenbedarf hergestellt wurden und nun aufgrund steigender Kosten im Gesundheitswesen verstärkt im Ausland Absatz finden, birgt weiteres Potential. Und auch wenn Indiens Schwerpunkt weiterhin im Dienstleistungsbereich liegt, stößt es immer mehr in Produktionsbereiche vor, z.B. die Herstellung von Automobilersatzteilen", kommentiert der Fondsmanager. Auch in Indien wirke sich ein hoher Ölpreis negativ aus. Weitere Hinderungsfaktoren für wirtschaftliches Wachstum präsentiere hier die aus 16 Parteien bestehende Regierung, die in Reformfragen, z.B. im Zusammenhang mit Privatisierungen, mitunter nur schwer Kompromisse fände. Alles in allem seien dies keine neu aufgetretenen Risiken. Der Ausblick in allen BRIC-Ländern bleibe unverändert gut, fasst Hans Hoelzl zusammen.
Anleger können am starken Wachstum teilhaben
Für Anleger an der Börse Frankfurt gibt es zahlreiche Möglichkeiten, an den Entwicklungen in den BRIC-Staaten zu partizipieren. So stellt der neue DAXglobal BRIC Index eine gute Grundlage für derivative Produkte dar. Gleich mehrere Fondsemittenten - wie DWS und HSBC - bieten aktiv verwaltete BRIC-Publikumsfonds an, die auf dem Parkett der Börse Frankfurt gehandelt werden können. Zahlreiche Zertifikate, z.B. von ABN Amro, Goldman Sachs, UBS oder Deutsche Bank, beschäftigen sich ebenfalls mit diesem Anlagethema. Für spekulativ orientierte Anleger bietet die Société Générale eine Reihe von Optionsscheinen auf BRIC-Aktienkörbe.
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(Für den Inhalt der Kolumne ist allein Deutsche Börse AG verantwortlich. Die Beiträge sind keine Aufforderung zum Kauf und Verkauf von Wertpapieren oder anderen Vermögenswerten.)
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