
(Neu: Personalien)
FRANKFURT (dpa-AFX) - Mit einer neuen Führungsmannschaft will die
Commerzbank
Für mögliche Zukäufe will die Bank ihre Kassen kräftig füllen:
Die Aktionäre erteilten dem Vorstand die Erlaubnis zu umfangreichen
Kapitalmaßnahmen, die sich rechnerisch auf maximal gut elf
Milliarden Euro belaufen können. "Wir müssen optimal vorbereitet
sein, um die Möglichkeiten nutzen zu können, die sich in der Zukunft
bieten", hatte Müller zuvor dafür geworben. "Wir wollen uns einen
Kapitalrahmen sichern, der möglichst breit und flexibel ist." Die
Commerzbank hatte Interesse am Kauf der Postbank
EX-CHEF MÜLLER ZUM AUFSICHTSRATSVORSITZENDEN GEWÄHLT
Mit Ablauf der Hauptversammlung übergab Müller (63) die
Geschäfte an seinen Vorstandskollegen Blessing (44). Müller selbst
zog in den Aufsichtsrat des DAX-
Aktionärsschützer unterstützten den Schritt: Müller habe in sieben Jahren als Vorstandschef die einstige Übernahmekandidatin Commerzbank neu aufgestellt, sagte Carsten Heise von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW): "Auf eine Wunderwaffe darf kein Aufsichtsrat verzichten." Kritik kam von Hansgeorg Martius von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK): Der Wechsel vom Vorstandsvorsitz an die Spitze des Aufsichtsrates sei in Deutschland zu sehr Usus geworden - das trage die SdK nicht mit.
Müller sieht die Bank gut gerüstet für kommende Herausforderungen. Zwar hatte ein Gewinneinbruch im ersten Quartal 2008 dem Management die Zuversicht auf ein weiteres Rekordjahr genommen. "Aber wir sind und wir bleiben ehrgeizig", versicherte er. Von Januar bis Ende März 2008 war der Überschuss der Commerzbank wegen weiterer Abschreibungen im Zusammenhang mit der Finanzkrise nach 609 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum auf 280 Millionen Euro gesunken. Im April habe es keine "nennenswerten weiteren Wertkorrekturen" auf das Portfolio mit US-Ramschhypotheken (subprime) gegeben, sagte Müller. Insgesamt bezifferte die Commerzbank ihre Abschreibungen auf Subprime-Papiere und andere verbriefte Produkte seit Beginn der Krise auf 827 Millionen Euro. Müller räumte ein, das Management habe "überhaupt keine Ahnung" gehabt, "dass wir soviel Schrott in einem Portfolio haben könnten", das nur mit besten Ratings versehen war.
MÜLLER: UMFELD BLEIBT SCHWIERIG
Der scheidende Vorstandsvorsitzende betonte: "Es bleibt unser Ziel und unsere Herausforderung, die Commerzbank zur echten Nummer eins auf dem deutschen Bankenmarkt zu machen." Er sei überzeugt, dass sein Nachfolger Blessing dieses Ziel erreichen werde. Allerdings bleibe das Umfeld schwierig: Die "große Unbekannte" der nächsten Monate seien weitere Folgen aus der Subprime-Krise. "Ich würde gerne erstmal drei stabile Monate sehen, bevor ich von einer Trendwende spreche." Es spreche einiges dafür, dass es zu einer Bodenbildung gekommen sei. "Aber das haben wir schon einmal geglaubt", sagte Müller.
"Herr Blessing, Sie übernehmen zwar das Ruder bei einigem Seegang, aber Sie übernehmen ein hochseetüchtiges Schiff und ihr Vorgänger bleibt als Lotse an Bord", sagte Wolfgang Aleff von der Gesellschaft für Wertpapierinteressenten (GfW). Blessing kam im November 2001 in den Vorstand und überzeugte in zwei Kerngeschäftsfeldern der Bank: Der McKinsey-Mann brachte das schwächelnde Privatkundengeschäft in Fahrt und führte danach erfolgreich das Mittelstandsgeschäft./jb/sb/he
ISIN DE0008032004 DE0008001009
AXC0347 2008-05-15/21:28