
(Neu: Reaktion des Konzerns)
MOSKAU (dpa-AFX) - Mit scharfer Kritik an der Preispolitik des
russischen Stahlkonzerns Mechel hat Russlands Regierungschef
Wladimir Putin an der Börse in Moskau die Aktienkurse auf Talfahrt
gesetzt. Gleich nach der Eröffnung der RTS-Börse am Freitag brachen
Mechel um mehr als 30 Prozent ein. Betroffen waren auch andere
russische Metallurgieunternehmen wie SeverStal, NLMK oder Norils
Nickel
Am Donnerstagabend hatte Putin Mechel unter anderem den Massenverkauf von Rohstoffen deutlich unter den Weltmarktpreisen vorgeworfen. Darauf verlor der Konzern an der New Yorker Börse NYSE mehr als ein Drittel seines ursprünglichen Marktwertes von über 15 Milliarden Dollar.
Bei einem Treffen mit Metallunternehmern und Politikern in der Stadt Nischni Nowgorod kritisierte der Regierungschef ungewohnt scharf die Abwesenheit von Mechel-Chef und Mehrheitseigner Igor Sjusin, der aus Gesundheitsgründen abgesagt hatte. "Er sollte schnellstmöglich genesen. Sonst müssen wir einen Doktor zu ihm schicken, der alle Probleme lösen wird", zitierte die Moskauer Wirtschaftszeitung "Wedomosti" (Freitag) den früheren Geheimdienstchef.
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So scharf hatte sich Putin zuletzt 2003 im Zusammenhang mit der Zerschlagung des Ölkonzerns Yukos und dessen Michail Chodorkowski an der Spitze gegen einen russischen Unternehmer geäußert, schrieb "Wedomosti". Die Rede Putins habe den Konzern knapp fünf Milliarden Dollar gekostet.
Putin wies das Kartellamt an, die Aktivitäten des Unternehmens zu untersuchen. Dabei schloss der frühere russische Präsident nicht aus, dass sich auch die Staatsanwaltschaft der Sache annehmen werde. Am 11. August wollte Mechel knapp zwölf Prozent des Grundkapitals für etwa zwei Milliarden Dollar an der Frankfurter Börse platzieren.
MECHEL ZU VERHANDLUNGEN BEREIT
Das Unternehmen räumte ein, dass sich die Export- und die Binnenmarktpreise für Kokskohle im ersten Quartal 2008 deutlich voneinander unterschieden hätten. "Mechel stimmt der Position der Regierung zu, nach der die Preise für Kokskohle auf dem Binnenmarkt nicht höher sein dürfen als beim Export", zitierte die staatliche Agentur RIA Nowosti aus einer Mitteilung des Unternehmens. Mechel sei zu Verhandlungen mit den Staatsstellen über die Preisbildung bereit.
Die Mechel-Gruppe hält Mehrheits- beziehungsweise Minderheitsanteile unter anderem am Hüttenkombinat Tscheljabinsk, dem Handelshaus Mechel, den Unternehmen Juschny Kusbass und Juschuralnikel, dem Metallurgiekombinat Belorezk, Mechel Trading, Mechel Nemunas (beide Litauen) sowie Mechel Targoviste und Mechel Campia Turzii (beide Rumänien). 2007 wies die Gruppe einen nach US GAAP kalkulierten Netto-Überschuss von 913 Millionen Dollar aus, 51 Prozent mehr als 2006. Der Umsatz nahm um 52 Prozent auf 6,68 Milliarden Dollar zu./am/mau/DP/she
ISIN RU0007665170 RU0008110499 RU0009046510
AXC0171 2008-07-25/18:05