
"Es ist keine Schwäche, sondern wer ausgebrannt ist, hat auch mal gebrannt", erklärt Dr. Heino Lisker, Facharzt für Psychosomatik. Oft trifft die Krankheit deshalb vor allem die, die alles geben - beruflich und privat. Einer von ihnen ist Armin S. (42). Der ehemalige Marketing-Leiter führte bis zum Burnout ein Leben auf der Überholspur. Nachdem er in die Führungsspitze einer deutschen Traditionsfirma wechselte, arbeitete er rund um die Uhr, pendelte nur am Wochenende zu seiner Familie. Als seine Ehefrau dann noch nach der Geburt des gemeinsamen Sohnes an einer postnatalen Depression erkrankte, wuchs Armin S. die Situation über den Kopf. "Bei mir gab es einen totalen emotionalen Overload. Diese ganze Angst und Hilflosigkeit hat sich im Körper ausgebreitet und ist dann ausgebrochen, dass ich wirklich Schmerzen rausgeschrien habe, rausgeweint und rausgeschrien", erklärt er. Als er seiner Frau gegenüber äußert, dass er sein Leben nicht mehr lebenswert findet, ruft sie den Notarzt. "Ich hatte Angst, dass ich nicht mehr an einem normalen Leben teilnehmen könnte", erinnert er sich. Jetzt versucht er zusammen mit seiner Frau, ihr gemeinsames Leben neu zu ordnen.
Michael Sternkopf war jahrelang Fußball-Profi und spielte u.a. für Vereine wie den FC Bayern München. 2004 beendete er seine Karriere bei Kickers Offenbach, wo er anschließend als Marketingleiter arbeitete. Als es 2011 bei ihm zum Burnout kommt, hat er gerade erst wenige Monate vorher den Posten des Managers übernommen. "Ich habe gedacht, ich habe auf einmal das ganze Stadion auf meinen Schultern sitzen", erklärt der ehemalige Fußballprofi seinen damaligen Zustand. Er vertraut sich einem Kollegen an, der ihm rät, sich behandeln zu lassen. Rückblickend sagt der 42-Jährige: "Ich glaube, meine totale Schwäche war einfach, dass ich nicht nein sagen konnte, dass ich um mich herum keine Grenzen gesetzt habe, dass ich immer gefallen wollte, vielleicht aus einem kleinen Selbstgefühl heraus, dass ich dachte: ,Komm, die Leute sollen dich wenigstens mögen oder sympathisch finden'."
Reyhan Sahin erkrankte 1999 zum ersten Mal an einer Depression. Als sie 2008 zum zweiten Mal Depressionen bekommt, ist sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere. Die als "Lady Bitch Ray" für ihre obszönen Songs mit pornografisch anmutenden Texten bekannte Skandal-Rapperin war zu diesem Zeitpunkt nicht nur erfolgreiche Musikerin, sie arbeitete auch als Radiomoderatorin und an ihrer Doktorarbeit in Linguistik. Sieben Monate nach Ausbruch der Krankheit begibt sie sich in eine psychosomatische Klinik. Nach drei Monaten wird sie wieder entlassen. Doch kurze Zeit später geht es ihr schlechter als je zuvor. "Jede Sekunde ist eine Qual!", erinnert sie sich. Reyhan Sahin entscheidet daraufhin, alle Termine abzusagen. "Für mich war es ein ganz wichtiger Punkt oder ein Schritt zu sagen: Ich bin krank, ich kann jetzt nicht mehr und ich muss jetzt aufhören. Ich muss jetzt alles loslassen und ich muss aufhören, weil ich eine ganz schwere Krankheit habe. Das ist natürlich auch mit finanziellen Dingen verbunden, weil ich Angebote hatte. Ich hatte das Angebot, in der Popstars-Jury zu sitzen. Die besten Angebote kamen ja dann. Also Ich musste zwischen Tod und Gesundheit entscheiden und ich habe mich einfach für Gesundheit entschieden." Die Rapperin verzichtet nicht nur auf die Angebote, sie verliert auch ihr Stipendium und muss zeitweise von Hartz 4 leben. Doch nach und nach kämpft sie sich zurück ins Leben. Inzwischen hat Reyhan ihre Doktorarbeit abgegeben und auch ihre Karriere als Musikerin will sie weiterverfolgen. Am Wichtigsten sind heute aber andere Dinge: "Der größte Wunsch in meinem Leben wäre, dass ich bis zu meinem Tod, wenn ich alt bin, nie wieder Depressionen bekomme", verrät sie.
Die Samstags-Dokumentation "Erst gebrannt - dann ausgebrannt! - Phänomen Burnout" am 5. Mai um 22:45 Uhr bei VOX
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