Beherrschendes Thema des diesjährigen Frankfurter Eigenkapitalforums war MiFID II. Hinter dem Akronym verbirgt sich die EU-Richtlinie 2004/39/EG zur Harmonisierung der Finanzmärkte im europäischen Binnenmarkt (englisch: Markets in Financial Instruments Directive, kurz MiFID), und die hat es in sich: Ab Januar 2018 dürfen Wertpapierunternehmen, die unabhängige Anlageberatung oder Portfolioverwaltungsdienstleistungen erbringen, Unternehmensanalysen, Branchenreports und Marktberichte nicht mehr entgegennehmen, ohne dafür zu bezahlen. In den Augen der EU-Parlamentarier stellt Research nämlich eine Zuwendung dar, deren Annahme verboten werden muss.
Broker, die ihre Reports jahrzehntelang "kostenlos" verschickt haben, müssen nun ein Preismodell einführen, das von der Order-Execution unabhängig ist. Den Vermögensverwaltern als Adressaten der Research-Berichte bleibt folglich die Wahl, (1) auf externes Research zu verzichten bzw. dieses durch ein eigenes Buy-Side-Research zu ersetzen, (2) die eingekauften Research-Dienstleistungen von einem separaten Analysekonto zu begleichen und auf die jeweiligen Kunden zu überwälzen oder (3) die damit verbundenen Kosten selbst zu tragen. Da das Führen eines Research Payment Accounts umfassende Folgepflichten verursacht und sich einige prominente Fondsmanager bereits medienwirksam für die Bezahlung der Research-Kosten aus eigenen Mitteln entschieden haben, dürfte sich in der dritten Wahlmöglichkeit der Normalfall etablieren.
Research-Reports
Allerdings stehen die Einkäufer von Research nun vor der Entscheidung, mit welchen Partnern sie zukünftig ihre Research-Bedürfnisse befriedigen können. Denn angesichts der Kosten - die Preisvorstellungen für den reinen Bezug von Research-Reports ohne einen telefonischen oder persönlichen Zugang zu den Analysten oder zu sonstigen Premium-Leistungen liegen je nach Qualität der Broker zwischen 10.000 und 50.000 Euro pro Jahr - wird eine Selektion der Research-Provider unausweichlich.
Während hochwertiges ...
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