
Von Hans Bentzien
FRANKFURT (Dow Jones)--Die Aktivität der deutschen Privatwirtschaft hat im Juli langsamer als im Vormonat zugenommen, wobei die Industrie entgegen den Erwartungen noch tiefer in die Rezession rutschte. Der von IHS Markit erhobene Einkaufsmanagerindex (PMI) des verarbeitenden Gewerbes sank auf 43,1 (Juni: 45,0) Punkte. Die von Dow Jones Newswires befragten Volkswirte hatten einen unveränderten Indexstand prognostiziert.
Der Einkaufsmanagerindex des nicht-verarbeitenden Gewerbes verringerte sich auf 55,4 (55,8) Punkte. Erwartet worden war ein Rückgang auf 55,3. Der aus den Produktionskomponenten beider Wirtschaftsbereiche gebildete aggregierte Einkaufsmanagerindex ging auf 51,4 (52,6) Punkte zurück.
"Aufgrund des stärksten Wachstumsrückgangs in der Industrie seit sieben Jahren hat die Konjunktur in Deutschland im Juli wieder an Dynamik verloren", teilte IHS Markit mit. Gleichzeitig fiel der Stellenaufbau so schwach aus wie zuletzt im April 2015, was die Unternehmen mit dem beschleunigten Rückgang der Auftragsbestände und den weiter eingetrübten Geschäftsaussichten begründeten.
Die Industrieproduktion wurde stärker reduziert als in den drei Vormonaten, der entsprechende Index sank auf einen der tiefsten Werte seit 2009. Nach dem Zuwachs im Juni wies der gesamte Auftragseingang im Juli wieder ein Minus aus - der fünfte Rückgang innerhalb der letzten sieben Monate.
Hauptverantwortlich hierfür war erneut die Industrie, wo die Auftragseinbußen wegen des beschleunigten Exportorderrückgangs - vor allem aus China - und der Schwäche des Automobilsektors wieder stärker ausfielen als in den beiden Vormonaten. Bei den Auslandsbestellungen gab es das höchste Minus seit über zehn Jahren.
Doch auch die Dienstleister hatten laut IHS Markit mit Einbußen beim Exportneugeschäft zu kämpfen, weshalb der entsprechende Gesamtindex den elften Monat in Folge Verluste verzeichnete. Volkswirt Phil Smith kommentierte die Daten so: "Die Lage der deutschen Wirtschaft hat sich im Juli laut aktuellen PMI-Daten weiter verschlechtert, womit das Risiko gestiegen ist, dass die größte Volkswirtschaft der Eurozone in eine leichte Rezession schlittert."
Im ersten Quartal war das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 0,4 Prozent gestiegen. Für das zweite Quartal erwarten viele Experten einen BIP-Rückgang.
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July 24, 2019 03:45 ET (07:45 GMT)
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