
"Personell wird da schon lange im roten Bereich gearbeitet." Die Expertin sagte, dass es in Deutschland bislang zwar nur vereinzelt Fälle gegeben habe, wie sie am Sonntag in der TV-Krimi-Reihe "Polizeiruf" geschildert wurden. Darin ging es um illegal ins Ausland abgeschobene, deutsche Problem-Jugendliche, mit denen private Träger Geld verdienen. "Doch die Gefahr steigt durch die wachsende Zahl von Pflegekindern und der Personalnot in den kontrollierenden Jugendämtern", so die Verbandssprecherin.
Laut Verbandsangaben befinden sich gegenwärtig fast 90.000 Kinder in der Obhut von Pflegefamilien, die dafür Leistungen erhalten. Das Bundesfamilienministerium bestätigte, dass es von 2008 bis 2017 jährlich "unter 900 Fälle" von im EU-Ausland untergebrachten Pflege-Kindern gebe. "Grundsätzlich sind Hilfen zur Erziehung im Inland zu erbringen", sagte ein Sprecher. "Nur in den Ausnahmefällen, in denen der Aufenthalt im Ausland nach Maßgabe der Hilfeplanung zur Erreichung des Hilfezieles im Einzelfall erforderlich ist, dürfen Hilfen zur Erziehung im Ausland erbracht werden."
Unter den knapp 900 Fällen seien auch Pflegefamilien, die aus Job-Gründen samt Pflegekind ins benachbarte EU-Land wechseln müssten, sagte Pfad-Sprecherin Thiele. Das betrifft zumeist Frankreich, Luxemburg, Belgien, die Niederlande, Polen, Österreich und Tschechien. "Wenn das zuständige Jugendamt gut erreichbar ist, kann das sehr sinnvoll sein", sagte sie.
© 2019 dts Nachrichtenagentur