
Man darf davon ausgehen, dass die Bundeskanzlerin nicht sorglos durch Südtirol wandert und während ihres Urlaubs dem sozialdemokratischen Außenminister Heiko Maas die Suche nach einer Lösung des Konflikts allein überlässt. Sein Nein zu einem US-geführten Einsatz in der Straße von Hormus war die Antwort der Bundesregierung und nicht nur des Auswärtigen Amtes auf die Anfrage aus Washington.
Es ist aber nicht vertrauenserweckend, wie die große Koalition sich durch diese Krise laviert. Von Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer ist nichts zu hören und Merkel schweigt. Gegenvorschläge, Alternativen, Kompromisse, blieben bis jetzt aus. Zumindest öffentlich. Und deshalb ist die Befürchtung groß, dass Großbritanniens neuer Premierminister Boris Johnson mit US-Präsident Donald Trump eine Militäraktion vereinbart und keinen gemeinsamen Beschluss auf europäischer Ebene sucht. Eine zusätzliche Belastungsprobe für die Europäische Union.
Berlin sollte jetzt als in der Golfregion geschätzter Vermittler ohne geostrategische Interessen einen neuen diplomatischen Anlauf für Verhandlungen mit Teheran wagen und versuchen, London von einer gemeinsamen europäischen Marineschutzmission zu überzeugen. Beides ist besser als dem Drama seinen Lauf zu lassen und zu hoffen, dass andere die Arbeit machen werden.
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