
Demonstranten in Sofia warfen am Sonntagabend Schweineohren am Regierungssitz. Bei dem 18. Protest in Folge spielten sie eine symbolische "Einsperrung von Regierungschef Boiko Borissow und Generalstaatsanwalt Iwan Geschew in eine Zelle", deren Rücktritte die Protestler fordern. Erneut wurden Hauptstraßen und Kreuzungen der Hauptstadt blockiert.
Die Vorsitzende der oppositionellen Sozialisten, Kornelia Ninowa, verlangte am Sonntag erneut den Rücktritt der Regierung: "Die Forderungen der Protestteilnehmer sollten einen politischen Abschluss finden", sagte sie. Ninowa verwies darauf, dass sich für den Herbst wegen der Corona-Krise wirtschaftliche und soziale Probleme abzeichneten.
Das Regierungslager lehnt einen Rücktritt ab, und Parlamentspräsidentin Zweta Karajantschewa warnte vor den Konsequenzen. Dann müsste Staatschef Rumen Radew, der den Russland-freundlichen Sozialisten nahe steht, ein Übergangskabinett einsetzen. Außerdem müsste das Parlament aufgelöst werden. Als Folge könnten in der Corona-Krise keine wichtigen Beschlüsse mehr gefasst werden.
Auch der frühere, proeuropäische Staatspräsident Rossen Plewneliew (2012 bis 2017) hält einen Rücktritt der Regierung für ein "schlechtes Szenario". Staatschef "Rumen Radew wird (dann) eine Marionettenregierung aufstellen", warnte er im Staatsradio in Sofia. Plewneliew sagte, dass Präsident Radew gegen die Verfassung verstoße: "Er hat kein Recht, den Rücktritt des Regierungschefs und des Generalstaatsanwalts zu fordern - dieses Recht haben jeweils das Parlament und der Oberste Richterrat."/el/DP/zb
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