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Volker Schilling (Greiff): Aufgeblasen

11.06.2021

Aufgeblasen

Die Preise für Güter und Dienstleistungen kommen diese Woche etwas aufgeblasen daher. Das lateinische Wort für aufgeblasen ist übrigens "inflatio". Klingt doch viel schöner. Und genau diese Inflation ist es, die vielen Sorgen bereitet. Bei 5% ist sie diese Woche in den USA angekommen und das könnte schlimme Nebenwirkungen haben. Börsenhaussen sterben in der Regel nicht an diesen Preisblähungen, aber vielmehr an den Nebenwirkungen, nämlich steigenden Zinsen. Noch glauben die meisten daran, dass der Anstieg nur vorübergehend und der besonderen Situation rund um Corona geschuldet ist. Wenn aber am Ende des Sommers keine Luft entweicht, dann droht der Inflation der "flatus", lateinisch für Explosion. Schon jetzt ist die Kernrate der Inflation, also ohne Energie- und Lebensmittelpreise, auch bedenklich hoch. Sollten also diese beiden Faktoren wieder sinken, ist noch nicht ausgemacht, dass es besser wird. Wie auch immer, die Wirtschaft kommt in eine Zwickmühle: Gibt sie die steigenden Kosten an die Verbraucher weiter, feuert sie die Inflation zusätzlich an, tut sie es nicht, sinken die Gewinnmargen. Beides dürfte Investoren wenig freuen. Das bringt die Notenbanken auf den Plan:

Aufgebracht

Man sollte meinen, die Notenbanken müssten besorgt sein, ob der steigenden Inflationszahlen. Aber die Wahrheit ist: Endlich haben sie ihr Ziel erreicht. Der Realzins, also der Zins nach Inflation, ist so negativ wie noch nie und die Entschuldung der Staaten damit perfekt. Diese schleichende Enteignung nennt man finanzielle Repression. Das könnte man wohl mit dem deutschen Wort "zurückdrängen" übersetzen. Staaten entschulden sich auf Kosten ihrer Bürger. Der Realzins in Deutschland liegt bei den aktuellen Inflationsraten bei -3%. Mit anderen Worten: Wenn Sie ihr Geld auf das Sparbuch packen, wird es real signifikant Jahr für Jahr weniger. Nur damit wir uns verstehen. Aus 10.000 Euro Anlage sind nach 10 Jahren 2.500 Euro nicht mehr vorhanden. Sparer sollten daher aufgebracht sein und sich dieser indirekten Vermögenssteuer schleunigst entziehen. Der Aktienmarkt scheint daher weiterhin die beste Möglichkeit an einer Teilhabe von künftigem Wohlstand. Und sparen kann man auch in Aktien, zum Beispiel regelmäßig über monatliche Raten in Fonds und ETFs. Deutsche Anleger scheinen diese Botschaft inzwischen aufgenommen zu haben:

Aufgenommen

Die Zahlen der Neuaktionäre steigen erfreulich an und immer mehr Investoren entdecken den Aktienmarkt für ihre Geldanlage. Insbesondere jüngere Investoren mit langem Anlagehorizont machen sich auf den Weg, Börsenerfahrung zu sammeln. Dies nötigte diese Woche auch das Magazin "Der Spiegel" zu einem Titelthema mit der Überschrift "Im Rausch der Börse". Ja, wir wissen, dass gerade Privatanleger dazu neigen mit, zuviel Euphorie gerade in der letzten Börsenphase steigender Märkte zu investieren und danach meist Geld verlieren. Aber meine Erfahrung aktuell ist eine andere. Viele junge Börsianer haben sich intensiv mit dem Thema ihrer Geldanlage beschäftigt und unterscheiden sehr genau zwischen Investieren und Spekulieren. Letzteres ist ja nicht verboten und kann neben Erträgen ja auch eine Menge Erfahrung einbringen. Ich finde, viele der neuen Anleger haben die Krisen und Chancen der letzten Börsenjahrzehnte gut aufgenommen und setzen sich auch in den sozialen Medien sehr intensiv mit den Vor-und Nachteilen von Investitionen auseinander. In diesem Sinne bin ich guter Hoffnung, dass es gelingen kann, diesmal eine Aktienkultur auch in Deutschland zu etablieren. Und das auch über schwierige Marktphasen hinweg. Ich bedanke mich bei Ihnen für diese Woche, dass Sie mich in Ihrem Lesekreis aufgenommen haben und verbleibe mit den besten Wünschen für Ihren persönlichen Anlageerfolg.


Finden Sie hier weitere Kommentare von Volker Schilling (Greiff).

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