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BERLIN (dpa-AFX) - Der Online-Gebrauchtwagenhändler Auto1 geht nach einem starken Jahresschluss guter Dinge ins neue Jahr und will die Gewinne im Tagesgeschäft überraschend deutlich ausbauen. Vorstandschef und Mitgründer Christian Bertermann sieht das erstmalige Erreichen schwarzer Zahlen beim operativen Gewinn (bereinigtes Ebitda) im vergangenen Jahr als Sprungbrett für mehr. "Trotz dieser starken Ergebnisse stehen wir mit einem Marktanteil von 2,5 Prozent erst ganz am Anfang und sehen enormes Potenzial im europäischen Gebrauchtwagenmarkt - insbesondere im Hinblick auf unsere langfristigen Marktanteilsziele", sagte Bertermann der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX am Mittwoch. Die Aktie setzte ihren starken Lauf fort.
Das Papier zog in der Spitze um über 11 Prozent an und markierte ein Hoch seit 2021. Zuletzt lag es mit knapp 10 Prozent im Plus bei 20,62 Euro. Anfang 2024 war es noch weniger als 7 Euro wert gewesen, auch seit Beginn dieses Jahres hat der Kurs schon fast ein Drittel gewonnen. Für längerfristige Anleger ist das aber trotzdem nur ein Trostpflaster: Im Frühjahr 2021 war Auto1 zu 38 Euro je Stück an die Börse gegangen und am ersten Handelstag bereits auf über 50 Euro gestiegen.
JPMorgan-Analyst Marcus Diebel schrieb, das vierte Quartal und der Ausblick seien viel besser als die Erwartungen. Sowohl der Bruttogewinn je Auto als auch das Absatzvolumen seien stark. Die Markterwartungen für den operativen Gewinn im neuen Jahr dürften deutlich anziehen.
Im laufenden Jahr soll der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen auf 135 bis 165 Millionen Euro steigen, wie das MDax-Unternehmen mitteilte. Das sind auch am unteren Ende der Spanne mehr, als Analysten bisher im Schnitt erwarteten. Die Berliner haben vergangenes Jahr mit 109,2 Millionen Euro operativem Ergebnis im Tagesgeschäft erstmals schwarze Zahlen geschrieben, nachdem im Jahr zuvor noch ein operativer Verlust von fast 44 Millionen Euro angefallen war. Dabei profitierte das Unternehmen von einem größeren Bruttogewinn je verkauftem Auto und gestiegenen Verkäufen. Das Schlussquartal fiel deutlich stärker aus als gedacht.
Beim Absatz gebrauchter Fahrzeuge nimmt sich das Management für 2025 zwischen 735.000 und 795.000 Fahrzeuge vor, nach einem Anstieg um fast 18 Prozent auf knapp 690.000 Autos im vergangenen Jahr. In beiden Segmenten, demjenigen mit gewerblichen Händlern als auch dem mit Privatkunden (wirkaufendeinauto.de, Autohero), steigerte das Unternehmen sowohl die Verkaufszahlen als auch den Bruttogewinn je Fahrzeug - sprich die Differenz aus dem durchschnittlichen Verkaufs- und Ankaufpreis.
Langfristig haben Chef Bertermann und Finanzchef Markus Boser noch viel mehr Geschäft im Sinn. Der Marktanteil des Unternehmens in Europa soll von 2,5 Prozent auf zehn Prozent klettern. Die bereinigte operative Marge soll eine Bandbreite von 5 bis 9 Prozent vom Umsatz erreichen. Im vergangenen Jahr waren es lediglich 1,7 Prozent./men/mne/stk