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© Foto: Symbolbild von Juli Kosolapova auf Unsplash
Stellen Sie sich vor, Sie könnten mit einer einzigen Batterie-Anlage ganz Wien ein Jahr lang mit Strom versorgen. Klingt echt irre, aber genau so etwas plant BYD jetzt in Saudi-Arabien mit dem größten Energiespeicher der Welt. Doch der chinesische Riese, bekannt für seine billigen E-Autos, legt noch einen drauf. Mit "Gods Eye" jagt er nicht nur Tesla und VW einen Schrecken ein. Aber kann BYD seine Mega-Projekte überhaupt stemmen? Und wie sieht es eigentlich mit der Aktie aus? Hier kommt unser Aktien-Check für Sie. Vom Wüsten-Deal über die Charttechnik bis zur möglichen Tradingidee.
Saudi-Arabien vs. Kalifornien - BYD baut den Energiespeicher aller Energiespeicher
Saudi-Arabien hat genug von Öl, zumindest ein bisschen. Im Rahmen der "Vision 2030" will das Land die Hälfte seines Stroms aus Erneuerbaren beziehen. Und dafür braucht es Speicher, die so groß sind, dass selbst Kalifornien neidisch wird. BYD, eigentlich als E-Auto-Hersteller bekannt, hat jetzt den Zuschlag für das Mega-Projekt bekommen. 12,5 Gigawattstunden Kapazität, verteilt auf fünf Standorte in der Wüste. Zum Vergleich. Der bisherige Rekordhalter in den USA (Edwards & Sanborn) kommt gerade mal auf 3,3 GWh. BYD nutzt dieselben Blade-Batterien wie in seinen E-Autos. Die "Dinger" sind nicht nur langlebig, sondern auch superkompakt. Perfekt für die glühende Hitze Saudi-Arabiens. Doch hier gibt es einen Haken. BYD verrät nicht, wie teuer das Projekt wird oder ob sie bis 2030 fertig werden. Klar ist, dass bei so einem Riesenprojekt viel schiefgehen kann. Lieferketten, Sandstürme, politischer Hickhack. Trotzdem. Wenn es denn klappen sollte, ist BYD auf einmal auch in der Energiebranche ein Global Player. Und Saudi-Arabien hat schon mal vorgelegt, denn ein 2-GWh-Speicher von BYD läuft seit Januar.
Gods Eye. BYD's Geheimwaffe gegen Tesla & Co. - Ein Autopilot für "lau"
Während die einen noch über Batteriespeicher reden, dreht BYD bei der Auto-Technologie richtig auf. Mit "Gods Eye" hat der Konzern ein System vorgestellt, das autonomes Fahren in jeder Preisklasse ermöglichen soll, vom Luxus-Schlitten bis zum Mini-E-Auto für 15.000 Euro. "Das ist ein Game-Changer", flüstern die Experten, weil BYD damit den größten Knackpunkt umschifft, nämlich den Preis. Stellen Sie sich einmal vor, Sie würden sich für ein Auto von BYD entscheiden, z. B. den günstigen BYD Seagull, und das Teil hat dieselbe Grundtechnologie für autonomes Fahren wie ein High-End-Modell. Bei Tesla zahlen Sie dafür extra, bei VW müssen Sie es oft beim Händler nachrüsten (falls dies überhaupt möglich ist). BYD-Chef Wang Chuanfu lacht sich da wohl ins Fäustchen, denn VW und Co. stehen jetzt noch mehr denn ja unter Druck. Die müssen jetzt nachziehen, sonst geht ihnen der Markt für (bezahlbare) E-Autos endgültig flöten. Aber, ja es gibt ein großes Aber. Software ist das neue Öl. Auch wenn die Hardware bei BYD stimmt, ob die Software mithalten kann, wird sich erst zeigen. Tesla hat jahrelange Daten gesammelt, gerade auch für Autonomes Fahren (FSD), BYD muss da noch aufholen. Doch der Vorstoß zeigt, dass die Chinesen nicht in Verbrennermotoren denken, sondern in disruptiven Sprüngen.
Charttechnik. BYD-Aktie - Absturz oder Startrampe?
Die BYD-Aktie konnte in den letzten Monaten richtig zulegen. Von etwa 25 Euro im August letzten Jahres begann ein von starkem Momentum getriebener, zuletzt noch steiler verlaufender, Aufwärtstrend in Richtung 50 Euro. Also eine nahezu Verdopplung. Derzeit notiert die Aktie um die 48 Euro. Der RSI mahnt zwar schon, wie im Chartbild zu sehen, vor einer deutlichen Kauf-Übertreibung mit einem Wert jenseits der 70. Sogar eher im Bereich 80-90, was eine starke Überkauftheit bedeutet. Jedoch ist dies für starke Aufwärtstrends ebenso ein Zeichen der Stärke. Dennoch könnte die Aktie, auch bei einer allgemeinen Marktschwäche, versucht sein, Luft abzulassen. Unterstützung nach unten erfährt das Papier bei 44 - 45 Euro, darunter im Bereich 39,50 - 41,50 Euro. Nach oben hin gibt es im Grunde genommen keine Widerstände mehr, außer die psychologische runde Marke bei 50 Euro.
Das Momentum kam aber im kurzfristigen Bereich zuletzt etwas zurück. Dieses Abflauen könnte ein Zeichen sein, dass der Kaufdruck nachlässt. Insider munkeln zudem, dass große Fonds die Stärke nutzen, um bestmöglich ihre Gewinne einzutüten.
Jetzt kaufen oder zurückhalten?
BYD ist gerade ein Mix aus Chancen und Bauchschmerzen. Auf der fundamentalen Seite glänzt das Unternehmen. Das Saudi-Projekt unterstreicht die Expansion jenseits von E-Autos, die Quartalszahlen (Umsatz +22 Prozent, Gewinn +18 Prozent) zeigen Robustheit. "Gods Eye" könnte zudem die Margen in der Autosparte verbessern.
Aber es gibt auch Risiken wie z. B. den unklaren Zeitplan in Saudi-Arabien, die Kosten sind nicht hinreichend kommuniziert. Zudem brodelt der Handelsstreit zwischen China und der EU mit den möglichen Strafzöllen auf E-Autos. Und auch die Konkurrenz wie z. B. Tesla arbeiten aktuell an günstigeren Modellen. VW versucht, beim autonomen Fahren aufzuholen. BYD bleibt ein spannendes Stück Aktie mit Nervenkitzelgarantie. Wer an die Energiewende und Chinas Technologie-Offensive glaubt, kann hier zugreifen. Aber wir würden daher als mögliche Tradingidee auf Rücksetzer bis in den Bereich von 39,50 - 40 Euro warten und ab da gestaffelt zukaufen. Ein möglicher Stopp wäre bei 31 Euro zu platzieren. Ein langfristiges Kursziel liegt jenseits der 50 Euro-Marke.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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