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NEW YORK (dpa-AFX) - Recht überzeugende Geschäftszahlen helfen den 2025 bislang schwach gelaufenen Aktien von Nvidia am Donnerstag vorbörslich nur mäßig. Die Aktien stiegen im vorbörslichen US-Handel zwar um 1,1 Prozent auf 132,70 US-Dollar, doch für einen Befreiungsschlag aus dem Anfang Januar eingeleiteten Abwärtstrend würde das im Hauptgeschäft nicht annähernd reichen. Auch inklusive der Vortageserholung bleibt die diesjährige Kursbilanz des KI-Lieblings damit negativ.
Im November hatte es nach der letzten Zwischenbilanz mit einem leichten Anstieg noch für ein Rekordniveau gereicht, das Anfang des Jahres nochmals um Cent-Beträge übertroffen wurde. Doch seither können sich die Anleger für die Aktien des Chipriesen nicht mehr wirklich erwärmen. Bis Anfang Februar war der Kurs um etwa ein Viertel abgerutscht. Eine zwischenzeitliche Erholung kam Anfang Februar an ihre Grenzen, als der Kurs bei gut 143 Dollar am damaligen Verlauf des Abwärtstrends kapitulierte. Um diesen zu verlassen, müssten die Aktien aktuell über 140 Dollar steigen.
"Nvidia konnte seine Investoren überzeugen, dass die Nachfrage nach den eigenen KI-Chips stark bleiben wird", schrieb der Marktanalyst Maximilian Wienke von der Plattform eToro. Unternehmen setzten weiterhin auf den Marktführer und Bedenken hinsichtlich günstigerer Alternativen würden zerstreut. Als deren Auslöser galt zuletzt der chinesische KI-Anbieter Deepseek, der angeblich mit deutlich geringem Rechenaufwand auskommt. "Als wichtiger Indikator für den gesamten KI-Sektor dürfte dieses Ergebnis die Skeptiker erneut zum Schweigen bringen", erklärte Wienke.
Laut dem UBS-Experten Timothy Arcuri sind die Resultate gut genug, damit sich die KI-Debatte weiter in eine positive Richtung bewegt. Nvidia übertraf die Analystenerwartungen sowohl mit dem Umsatz im vergangenen Quartal als auch mit der Prognose für das laufende Vierteljahr. Konzernchef Jensen Huang sagte, Deepseek sei "fantastisch" für Nvidia gewesen. Denn die chinesischen Entwickler hätten eine neue Technik zum Erzeugen von KI-Antworten allgemein verfügbar gemacht. Und das treibe wiederum den Bedarf an Chips von Nvidia an, sagte Huang dem TV-Sender CNBC.
Stacy Rasgon von Bernstein Research lobte die Umsätze im Rechenzentren-Bereich, die die Markterwartungen dank der beschleunigten Akzeptanz für die Grafikprozessoren der Blackwell-Serie übertroffen hätten. Dass der Konzern mit der neuen Generation seiner KI-Chips schneller vorankomme als geplant, bewertete auch der UBS-Experte Arcuri als wichtigste Nachricht von Nvidia. "Blackwell" hatte elf Milliarden Dollar zu beigetragen, dass der Umsatz im Jahresvergleich um 78 Prozent auf 39,3 Milliarden Dollar hochschoss.
Für das laufende Vierteljahr sagte Nvidia einen Konzernumsatz von 43 Milliarden Dollar voraus - mit der Einschränkung, dass er um zwei Prozent höher oder niedriger ausfallen könne. Analysten hatten im Schnitt eher mit einer Prognose von rund 42 Milliarden Dollar gerechnet. Zeitweise hatten erste Reaktionen im außerbörslichen Handel unter diesen Umständen auch schon im Minus gelegen.
Nvidia muss mit starken Zahlen aber auch immer wieder die Rally der vergangenen Jahre rechtfertigen, denn 2023 und 2024 waren sehr stark für die Aktie des Chipkonzerns. Seit ihrem Zwischentief im Oktober 2022 sind sie in der Spitze das vierzehnfache Wert gewesen. In puncto Marktkapitalisierung hatte Nvidia zeitweise zu Apple als global wertvollstem Unternehmen aufgeschlossen. Aktuell liegt Nvidia in dieser Abfolge mit 3,22 Billionen US-Dollar auf Platz 2 nach Apple mit 3,61 Billionen./tih/ag/mis