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© Foto: Symbolbild
Stellen Sie sich vor, Sie könnten den Aktienmarkt wie ein Quantenphysiker knacken, mit Rechnern, die gleichzeitig alle Möglichkeiten durchspielen. Klingt nach Sci-Fi, aber D-Wave Quantum behauptet genau das zu können. Doch während die Aktie wie ein Gummiball wild hin und her springt, mal prozentual zweistellig nach oben, mal prozentual zweistellig nach unten, fragen sich Anleger, ob hier eine echte Revolution dahintersteckt, oder vielleicht doch nur heiße Luft. Wir haben den Check für Sie gemacht. Von der Mega-Deal-Chance bis hin zu einer Pleite, über den Chart-Wahnsinn bis zur brennenden Frage, ob Sie jetzt einsteigen oder lieber die Finger davon lassen sollten.
Revolution in der Finanzwelt - Wie D-Wave die Börse auf den Kopf stellen könnte
Viele denken, dass die allgemeine Quantencomputer doch diese superteuren Maschinen sind, die in Laboren vor sich hin brummen und irgendwas z. B. mit "Kryptografie" machen. Dies ist falsch gedacht. D-Wave, der kanadische Tech-Underdog, will mit seiner "Annealing"-Technik den Finanzmarkt revolutionieren. Die Idee ist, statt stundenlang historische Kurse zu wälzen, lösen die Quantenrechner komplexe Börsen-Prognosen in Echtzeit, indem sie mit 5.000 Qubits gleichzeitig alle denkbaren Szenarien durchrechnen: Vom Tesla-Crash bis zum Ölpreis-Explosion. Das klingt zugegebenermaßen verrückt, bzw. auch mega, wenn so etwas funktionieren sollte, aber tatsächlich gibt es erste Kunden wie das deutsche Forschungszentrum Jülich oder der japanische Riese NTT Docomo, die schon an Bord sind. Das Problem ist, dass diese Deals kaum Geld einbringen. Die Partnerschaft mit NTT Docomo lockt lächerliche 1 Mio. US-Dollar pro Jahr an Umsatz. Zum Vergleich bei einer Bewertung von über 2 Mrd. US-Dollar. Und der Mega-Verkauf an Jülich sind Einmal-Effekte, welche die Bücher nicht nachhaltig füllen. Aber warum jubeln dann fast alle und sind begeistert von D-Wave? Weil D-Wave in einer Nische schwimmt und diese versucht zu besetzten. Quantencomputing für Optimierungsprobleme - ob in Logistik, Pharma oder eben Finanzen. Die Vision ist, dass Banken Millionen zahlen, um mit D-Waves Cloud-Service (QCaaS) ihre Portfolios zu optimieren. Aber aktuell bringt es halt noch keinen richtigen Umsatz. In Q3 lag dieser noch im niedrigen 7-stelligen US-Dollar Bereich. Zum Vergleich einmal mit Nvidia. Die machen das in 5-10 Sekunden.
Hype vs. Realität. Warum die Zahlen nicht mitspielen
Bei unserem Realitäts-Check zu D-Wave wird es aber recht interessant. Der Qunatenpionier ist wie der Typ auf der Party, der von seiner "bahnbrechenden Erfindung" faselt, aber sein Portemonnaie ist leer. Die Fakten bei D-Wave sehen ernüchternd aus. Die Buchungen für 2024 sind um -58 Prozent auf 2,3 Mio. US-Dollar eingebrochen. Die Cash-Burn, also die Geldverbrennung, beträgt 13,8 Mio. US-Dollar pro Quartal. Das Geld reicht dann nur noch für etwa 2-3 Jahre. Durchaus kann eine künftige Verwässerung bei den Aktionären eintreten, wenn frisches Geld benötigt wird. Und die Tech-Konkurrenz schläft auch nicht. Microsoft, Google & Co. sind amüsiert, wenn D-Wave mit seinen 4.400 Qubits prahlt. Gleichzeitig enthüllte nämlich Microsoft kürzlich den "Majorana 1"-Chip - der Wegbereiter für 1 Million Qubits. Übersetzt heißt das, dass D-Wave dann einen Polo fährt, während die Großen im Ferrari vorfahren. Aber trotzdem steigt die Aktie von D-Wave, denn Quantencomputing ist das neue KI, wo jeder dabei sein will, egal ob die Zahlen passen. Die Bewertung ist absurd. 119er KUV (2025) - bei Nvidia sind es 22. Das heißt. Für jeden US-Dollar Umsatz bezahlen Investoren bei D-Wave fünfmal so viel wie beim GPU-Giganten.
Chartanalyse. Achterbahnfahrt mit Ansage
Nach einem Hoch bei 10,98 Euro Ende 2024/Anfang 2025 rauschte die Aktie bis auf unter 4 Euro runter, nur um dann wieder auf knapp unter 8 Euro zu hüpfen. Was sagt uns das? Die Aktie ist wild, wobei zuletzt wurden die Schwankungen etwas geringer. Der RSI lag zuletzt knapp über der 50er Marke und damit im neutralen Bereich. Unterstützung für die D-Wave Aktie liegt im Bereich um 4 Euro. Widerstände nach oben bei 7 und 8 Euro. Darüber dann bei 10 Euro. Ein Bruch unter 4 dürfte den Kurs in Richtung 2 Euro befördern.
Es sieht aber so aus, als wird die Aktie irgendwann wieder ausbrechen wollen - Richtung unbekannt. Für Daytrader ist D-Wave eine mögliche Spielwiese. Für Langfristige ist die Aktie Nervenkitzel pur und Casino-Feeling.
Zocken oder abhaken?
D-Wave ist wie ein Lottoschein, den man entweder komplett zerreißen kann, oder der einen reich machen kann. Es ist aber Lotterie. Fundamental spricht für D-Wave die Nischentechnologie mit Alleinstellungsmerkmal (Annealing), Partnerschaften mit Jülich/NTT, Forschungs-Breakthroughs (z. B. Proteinfaltung bei Alzheimer). Die bestehenden Risiken sind die brennende Bilanz (Cash-Burn.), Tech-Giganten als Konkurrenz, absurd hohe Bewertung. Charttechnisch könnte D-Wave kurzfristig nochmal in Richtung 8 Euro oder auch darüber hypen. Langfristig aber ist ohne fundamentale Umsatzsprünge eher der Absturz drin.
Für Hardcore-Zocker: Eventuell eine kleine Position im Bereich 4,60 - 5,00 Euro aufbauen, Stopp bei 3,90 Euro, Kursziel 8 Euro. Ideal für Swing-Trader in einem möglichen Hype-Zyklus, aber für Value-Investoren ungeeignet.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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