
26.03.2025 -
Europa steht an einem historischen Wendepunkt. Thomas Meier, Portfoliomanager im Team Global Dividend bei MainFirst, ist überzeugt, dass Europa dieses Mal als Sieger gegenüber den USA hervorgehen könnte. Hierbei laute das neue Schlagwort MEGA ("Make Europe great again") statt MAGA ("Make America great again").
Die aktuellen globalen Entwicklungen haben das Potenzial, die geopolitische Ordnung grundlegend zu verändern. Die Welt hielt am 28. Februar 2025 den Atem an, als sich ein politisches Erdbeben in Washington D.C. entlud. Vor laufenden Kameras wurde ein langjähriger Verbündeter der Vereinigten Staaten aus dem Präsidentenpalast geworfen - ein Bild, das um die Welt ging und für viele als Zäsur in den internationalen Beziehungen gilt.
Portfoliomanager Meier findet dafür eine außergewöhnliche Metapher: "Die derzeitigen globalen politischen Ereignisse mit ihren umfassenden Konsequenzen böten einen Plot für einen Kinofilm mit ungeahnten Wendungen und nervenaufreibender Spannung." Doch das Ende dieses Films, so Meier, "könnte anders ausfallen als von den USA gewünscht. Europa könnte sich zur ultimativen 'Underdog'-Geschichte entwickeln."
Die neue US-Regierung lasse mit dem Slogan "Make America Great Again" keinen Zweifel an ihrem Kurs: "Alte Allianzen sind nur noch so lange gut, wie sie den Interessen der USA dienen", kommentiert der Portfoliomanager im Team Global Dividend bei MainFirst. Selbst jahrzehntelange Partnerschaften scheinen geopfert, moralische Prinzipien neu definiert.
Für Europa stelle sich damit eine historische Frage nach Eigenständigkeit. Der Kontinent, jahrzehntelang politisch, wirtschaftlich und sicherheitspolitisch eng mit den Vereinigten Staaten verbunden, stehe vor einem Wendepunkt. Doch die Reaktion falle anders aus als erwartet: "Statt in Schockstarre zu verfallen, zieht Europa seine eigenen Schlüsse - und beginnt endlich, sich selbst neu zu erfinden", erklärt Meier. Vor allem Deutschland, traditionell wirtschaftlicher Motor der Europäischen Union (EU), zeige Entschlossenheit: Die Bundesregierung hat eine deutliche Erhöhung der Verteidigungsausgaben angekündigt, ebenso Investitionen in Infrastruktur und Technologie. Die "Friedensdividende", von der man seit dem Ende des Kalten Krieges profitiert hatte, gehöre der Vergangenheit an.
Auch auf europäischer Ebene tue sich Entscheidendes: Die EU treibe Reformen mit neuer Dynamik voran. Kapitalmarktunion, pragmatische Industriepolitik, realistische Umweltziele und eine robuste Energiepolitik werden mit Nachdruck umgesetzt. Meier bemerkt dazu: "All das, worüber jahrelang debattiert wurde, kommt nun mit atemberaubender Geschwindigkeit ins Rollen. Der belächelte Draghi-Report zur Lage in Europa dient mittlerweile als Blaupause."
Ein weiteres Signal liefere die Finanzwelt: Kapitalströme verlagerten sich in Richtung Europa, US-Märkte verlören an Strahlkraft. "Eine historische Kapitalrotation läuft an", beobachtet Meier, "und plötzlich erscheint das Narrativ eines schwachen, zwischen China und den USA zerriebenen Europas als obsolet."
Diese Entwicklung sei nicht ohne Ironie, so Meier. "Am Ende könnte es ausgerechnet die isolationistische MAGA-Bewegung gewesen sein, die Europa aus seinem Dornröschenschlaf geweckt hat." Was lange als Wunschdenken galt, scheine greifbar: wirtschaftliche Stärke, sicherheitspolitische Eigenständigkeit und neuer Zusammenhalt.
"Make Europe Great Again - es ist kein Wunschdenken mehr", fasst Meier zusammen. "Vielmehr ist es ein realistisches Szenario. Und es beginnt jetzt."
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