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Seit Jahren dominiert das Trio Telekom, Vodafone und O2 den deutschen Mobilfunkmarkt. Doch auch 1&1 mischt die Branche auf - mit cleveren Deals, eigenem Netz und flexiblen Tarifen. Kunden surfen nicht nur im neuen 5G-Netz von 1&1, sondern auch bei O2 und auch Vodafone. Verbraucher jubeln über mehr Wettbewerb, doch wie schlägt sich das Unternehmen an der Börse und warum geht der Kurs zuletzt gen Süden, obwohl das Netzprojekt Fahrt aufnimmt? Lohnt sich jetzt der Einstieg? Wir packen aus, was hinter den Kulissen passiert und wo die Reise hingehen könnte.
O2-Deal, 5G-Turbo - So baut 1&1 sein Netz-Imperium auf
Mit dem Deal mit Telefónica Deutschland (O2) hat sich 1&1 ein cleveres Sicherheitsnetz gespannt. Bis das eigene Mobilfunknetz flächendeckend steht, dürfen Kunden sowohl das 1&1-Netz als auch das 5G-Netz von O2 nutzen. Ein kluger Schachzug: So vermeidet der Newcomer peinliche Funklöcher und kann von Tag eins an mit Highspeed-Internet werben. Gleichzeitig spart sich das Unternehmen teure Strafzahlungen, falls der Netzausbau mal wieder hakt - und das tut er bekanntlich ja immer mal wieder. Ein weiterer Coup sorgte ebenfalls für Vorteile bei den Kunden. 1&1 springt vom O2- aufs Vodafone-Netz. Der Vorteil? Mehr Flexibilität und weniger Abhängigkeit. Für Kunden ändert sich nichts - sie surfen einfach weiter. Für 1&1 bedeutet das jedoch: endlich eigene Infrastruktur statt teurem Anmieten. Verbraucherschützer hoffen auf günstigere Preise und bessere Leistung. Doch der Netzausbau frisst Milliarden. Allein für Frequenzen legte das Unternehmen 1,1 Mrd. Euro hin. Ob sich das Investment auszahlt wird sich in den kommenden Monaten entscheiden.
Tarif-Chaos, Preissprünge & die XL-Frage: Wo steht 1&1 wirklich?
Eigentlich wollte 1&1 mit günstigen Unlimited-Tarifen den Markt aufreißen. Doch seit Dezember 2024 gleicht die Preispolitik einem wirren hin und her: Mal kostet die 5G-Flat plötzlich 20 Euro statt 10 Euro, mal wird ein Billigtarif ohne 5G eingeführt - nur um ihn kurz darauf wieder zu streichen. Dazu die "On-demand"-Klausel: Wer mehr als 300 GB im Monat verbraucht, wird gedrosselt. Für Vielsurfer ein No-Go. Die "echte" Flat ohne Limit? Die gibt's - aber für stolze 50 Euro. Trotz des Wirrwarrs hat die Strategie Potenzial. Denn 1&1 lockt mit zwei Trümpfen: Erstens nutzen Kunden im Roaming die Netze der Konkurrenz - inklusive 5G. Zweitens setzt das Unternehmen auf Open-RAN-Technologie, die langfristig Kosten sparen soll. Doch die Migration der Bestandskunden bis Ende 2025 bleibt ein Risiko. Jede Panne, jeder Verzögerungstag könnte die ohnehin angespannte Finanzlage verschärfen. Die jüngsten Zahlen zeigen, dass das EBITDA 2025 voraussichtlich um 3,4 Prozent sinken wird, die Investitionen steigen auf 450 Mio. Euro. Ein Balanceakt zwischen Wachstum und Profitabilität hat begonnen.
Chartcheck
Die 1&1-Aktie ist die letzten Jahre nichts für schwache Nerven. Noch im August 2021 lag die Aktie im Hoch bei 27,90 Euro. Im März 2023 dann der Absturz auf 10 Euro und im Veraluf sogar knapp darunter. Aktuell sackte die Aktie jüngst veröffentlichten enttäuschenden Prognose um knapp 10 Prozent ab, doch wer in den letzten drei Monaten dabei war, freut sich immer noch über knapp 20 Prozent Kursplus. Der Chart zeigt aktuell ein typisches Sideways-Trading meist zwischen 11 und 13,50 Euro, mit dem ein oder anderen Ausschlag nach oben oder auch mal nach unten. Aktuell liegt das Papier um die 13,50 Euro-Marke, Wo geht es nun hin? Kurzfristig könnte die 12-Euro-Marke als psychologische Unterstützung dienen. Fallen die Kurse darunter, droht ein Rutsch Richtung 10 Euro. Nach oben sind bei einem Ausbruch über 15 Euro aber schnell 18-20 Euro im Visier - vorausgesetzt alles läuft glatt und die Kunden bleiben treu. Technisch gesehen könnte sich mit einer Unterstützung im Bereich 12-13 Euro ein tragfähiger Boden für eine weitere Aufwärtswelle in Richtung 20 Euro ergeben. Der RSI jedenfalls liegt aktuell noch in der neutralen Zone.
Was tun, wie verhalten?
Die 1&1-Aktie ist jedenfalls keine sichere Wette auf steigende Kurse. Jedoch bietet sie, wenn man es geschickt anstellt, ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis. Fundamental überzeugt die langfristige Vision: Eigenes Netz, mehr Unabhängigkeit, Open-RAN-Pionierarbeit. Die Kooperationen mit O2 und Vodafone minimieren Risiken. Zwar drücken die Investitionen und das sinkende EBITDA 2025 auf die Stimmung, doch ab 2026 könnten die Milliarden in den Netzausbau endlich Früchte tragen. Charttechnisch jedenfalls bietet das aktuelle Niveau um 12-13 Euro eine Chance wenn man die Aktie auf dem Niveau bei 12,00 - 12,50 Euro kaufen kann, sichert man sich ein gutes Risiko-Rendite-Verhältnis. Das Ziel: 18-20 Euro, sobald der Netzausbau positiv überrascht und die Tarifkunden stabil bleiben. Der anfängliche Stopp wäre dann im Bereich knapp über 10,80 Euro zu setzen.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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