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Der Stahlriese legt ein irres Tempo vor, doch steckt mehr dahinter als nur Spekulation? Alles über den explosiven Mix aus Chart-Dynamik, Rüstungsdeals und der heißen Grünstahl-Wette. Vor wenigen Wochen galt Thyssenkrupp noch als lahme Ente (lame duck). Doch plötzlich zündet der Raketenantrieb! Deutlich über 100 Prozent Kursgewinn seit Jahresstart und jetzt schießt die Aktie Richtung 11-Euro-Marke. Was ist da los? Nur ein Hype, oder doch mehr? Der Riesen-Deal mit der Marinesparte TKMS, eine Mega-Grünstahl-Anlage in Duisburg und Trump, der mit seinem Handelskrieg die Stahlpreise anheizt. Gleichzeitig warnt die Charttechnik vor Überhitzung. Lohnt der Einstieg noch? Wir zerlegen für Sie das Wichtigste und verraten Ihnen was passieren könnte.
Thyssenkrupp-Aktie: Die Gründe hinter der irren Rally
Thyssenkrupp war lange das Sorgenkind der Börse. Schulden, Strukturprobleme, Stahlkrise. Die Aktie dümpelte jahrelang vor sich hin - meist abwärtsgerichtet. Doch seit Anfang 2025 dreht der Konzern auf wie ein Formel-1-Motor. Deutlich über 100 Prozent Kursgewinn in nur drei Monaten und es könnte noch weiter gehen. Was treibt den Kurs so irre an?
Erstens: Donald Trump. Sein Handelskrieg lässt die Stahlpreise in den USA explodieren und Europa zieht nach. Subventionen, Infrastrukturprojekte, Rüstungsaufträge. Alles Bereiche, in denen Thyssenkrupp mitspielt. Zweitens: TKMS, die Marinesparte. Die soll bald an die Börse gebracht werden als eigenständiger Rüstungsplayer. Analysten rechnen mit einem Hype, ähnlich wie bei Rheinmetall. Drittens: Grüner Stahl. Die milliardenschwere Anlage in Duisburg soll Ende 2027 starten und den Konzern zum Klima-Vorreiter machen.
Und dann ist da noch Kepler Cheuvreux. Die Investmentbank hat das Kursziel verdoppelt - von 5,60 auf 12,40 Euro! Als Begründung wurde geliefert, dass Thyssenkrupp von Trumps Politik profitiert, Chinas Stahl-Exporte könnten sinken, und die TKMS-IPO bringt frisches Geld. All das was wir hier auch erkannt haben. Klar, dass da die Spekulanten aufspringen.
Chart-Check: Short-Squeeze-Alarm - Wie hoch kann es noch gehen?
Schauen wir mal auf den Chart und da wird es steil. Die Aktie geht seit wenigen Wochen nahezu ausnahmslos nach oben. Von knapp unter 5 auf mittlerweile über 10 Euro! Doch zwischendrin gab es mal eine kleine Korrektur, manche würden es auch Konsolidierung auf hohem Niveau nennen. Jetzt aber könnte ein neuer Anlauf auf noch höhere Kurse folgen. Warum? Na ganz klar, viele shorten die Aktie noch immer und wetten also auf weiter fallende Kurse. Doch die plötzlichen Kauforder reißen die Stop-Loss-Marken der Shortseller mit. Ein klassischer Short-Squeeze entsteht. Die Folge: Der Kurs schießt weiter hoch, weil die Short-Positionen panikartig gedeckt werden. Steyr Motors, Gamestopp und Volkswagen lassen grüßen.
Jetzt steht die 11,19-Euro-Marke im Fokus (das ist das alte Verlaufshoch). Wird die geknackt, könnte es weitergehen wie im Rausch. Der RSI (Momentum-Indikator) zeigt zwar deutliche Überhitzung an, aber der Trend nach oben ist dennoch zur Zeit voll intakt. Unterstützung liegt bei 9,50 Euro nach unten. Fällt die nicht, bleibt die Rally am Leben. Für Chart-Fans: Ein Break über 11,19 Euro könnte weitere Käufer anlocken und bis 13 Euro oder sogar im Short-Squeeze noch deutlich darüber bis 15 oder gar 17 oder 18 Euro wäre alles drin. Man sollte nicht vergessen, dass man bei Steyr, Gamestopp oder VW diese extremen Kurse für möglich gehalten hätte, und es ist aber tatsächlich passiert.
Kurzer Fundamental-Check:
Thyssen kämpft immer noch mit hohen Schulden und einem zersplitterten Konzernaufbau, doch hier die guten Dinge:
- TKMS-IPO: Die Marinesparte könnte allein 5-7 Milliarden Euro wert sein. Mit dem Geld könnte man Schulden tilgen und Investitionen stemmen.
- Grünstahl-Anlage: 3 Milliarden Euro Kosten, aber ein möglicher Gamechanger. Grüner Stahl ist gefragt bei Autobauern, und Maschinenherstellern.
- Stahlpreise: Trumps Zölle und Europas Subventionen lassen die Margen steigen. China könnte sein Überangebot drosseln. Das wäre gut für Thyssenkrupp.
Was tun?
- Charttechnisch: Der Short-Squeeze ist möglich, bzw. schon zum Teil im Gange. Bei einem Break über 11,19 Euro geht es wahrscheinlich weiter nach oben. Ein möglicher Stopp-Loss könnte bei 9,30 Euro gesetzt werden, um das Risiko zu begrenzen.
Für Mutige ist die Kombi aus Short-Squeeze, TKMS-Hype und politischen Treibern sicherlich für einen Long interessant. Aber, wenn nur irgendwas davon nicht eintritt, wie geplant, z. B. wenn das IPO platzt oder die Stahlpreise crashen, geht es schnell wieder zurück mit der TKA-Aktie.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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