
FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Zollankündigungen von US-Präsident Donald Trump haben am Donnerstag die Aktienkurse kräftig ins Minus gedrückt. Der Dax rutschte zum Auftakt auf den tiefsten Stand seit Anfang Februar. Zuletzt grenzte der deutsche Leitindex das Minus auf 1,59 Prozent ein und kehrte mit 22.035 Punkten zurück über die runde 22.000er-Marke.
Der MDax der mittelgroßen Unternehmen sank um 1,14 Prozent auf 27.180 Punkte. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 verlor 2 Prozent.
Stephen Dover, Marktstratege bei Franklin Templeton, sprach vom Ende der Freihandelsära. Die Zölle von Trump seien insgesamt viel höher als erwartet. Gefragt waren in diesem Umfeld als sichere Häfen geltender Anlagen wie Gold und Staatsanleihen.
Mit dem Zollpaket gehen Konjunktursorgen einher. Die Notenbanken könnten durch lockere zins- und geldpolitische Maßnahmen einen Teil der konjunkturellen Folgen abpuffern, sagte Börsenexperte Andreas Lipkow. Sie seien jedoch in dem engen Korsett der Inflationsentwicklung gefangen, welches durch die Strafzölle ebenfalls beeinflusst werde.
Wochenlang hatte US-Präsident Donald Trump mit einem umfassenden XXL-Zollpaket gedroht. Seine am Vorabend präsentierten Pläne sind nicht nur komplex, sondern auch beispiellos in ihrem Umfang. Weltweit reagierten die Börsen darauf mit hohen Verlusten.
Die USA belegen ab Samstag Einfuhren aus allen Ländern pauschal mit Zöllen von zehn Prozent. Zudem kündigte die US-Regierung einen komplexen Mechanismus wechselseitiger Zölle an, der für viele Länder höhere Abgaben vorsieht. Für die Europäische Union heißt das, dass Exporte ihrer Mitgliedsländer in die Vereinigten Staaten ab kommender Woche mit einem Zoll von 20 Prozent belegt werden.
Unter Druck gerieten am Donnerstagmorgen so ziemlich alle Branchen. Schwer traf es zunächst Papiere von Autobauern und Chemiewerte, die jedoch anschließend sich wieder berappelten. Aktien von Sportartikelherstellern wie Adidas und Puma brachen jeweils um die 9 Prozent ein, weil für sie der südostasiatische Raum ein wichtiger Produktionsstandort ist und Trump Länder aus dieser Region mit besonders hohen Zöllen überzieht.
Siemens übernimmt den Anbieter von Forschungs- und Entwicklungssoftware im Bereich Life Sciences, Dotmatics. Der Kaufpreis liege bei 5,1 Milliarden US-Dollar. Die Übernahme sei sinnvoll, aber nicht billig, hieß es dazu von den Analysten der kanadischen Bank RBC. Die Siemens-Aktien verloren 3,7 Prozent.
Der Leasinganbieter Grenke startete trotz des schwierigen konjunkturellen Umfelds mit mehr Neugeschäft in das Jahr. Die Titel gewannen 3,5 Prozent. Zudem fand Grenke für sein Factoringgeschäft einen Käufer./ajx/mis
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