
© Foto: Aixtron
Ein Mega-Auftrag, glänzende Technik, aber die Börse interessiert es nicht und dankt es mit fallenden Kursen. Was läuft schief beim deutschen Chip-Equipment-Hersteller? Wir packen aus, warum Investoren trotz Innovationen die Finger von der Aktie lassen und wann der perfekte Einstiegsmoment kommen könnte bei welcher Kursmarke.
Nokia-Deal: Aixtron liefert die Zukunft aber es interessiert keinen
Die G10-AsP-Anlage, die jetzt an Nokia geht, ist ein echter Hit und hat das Potenzial einiges zu verändern. Mit dem Teil kann der Telekom-Riese photonische Schaltkreise auf 6-Zoll-Wafern produzierender. Klingt nach heiligem Gral für 5G, KI und ultraschnelle Datenautobahnen. Die Technik dahinter ist top. Bis zu viermal präziser als die Vorgängermodelle, dazu automatisierte Wafer-Beladung. Klingt nach Zukunft, doch die Börse reagiert mit Schulterzucken. Seit einem Jahr stürzt die Aktie weiter ab. Mittlerweile um über 50 Prozent. Wenn man es von Anfang Januar 2024 betrachtet, wo der Kurs noch knapp unter 40 Euro notierte, ist es sogar noch deutlich mehr. Einer der Gründe dürften die dreistelligen Millionenverluste in der Bilanz sein. Selbst der frische Nokia-Coup am 1. April (kein Aprilscherz) ist immerhin ein Signal für Vertrauen in Aixtrons Technik. Dies lässt den Kurs aber weitestgehend kalt. Er kratzt nur haarscharf über der 10 Euro-Marke. Große Jubelstürme bleiben aus.
Der Markt für photonische Chips boomt und Nokia setzt auf Aixtron, Aber irgendwie schlägt sich das nicht in den Zahlen von Aixtron nieder. Umsatz plus 5,85 Prozent im letzten Quartal ist ja noch ganz gut, aber der Gewinn je Aktie liegt bei minus 27 Prozent. Das tut weh.
Fundamentale Widrigkeiten die Investoren warten lassen
Aixtron ist wie der begabte Schüler, der aber ständig die Hausaufgaben vergisst, bzw. sie nicht richtig macht. Die Technologie ist weltweit angesehen, aber die Finanzen sind gelinde gesagt Bezirksliganiveau. Gewinnrückgänge, gesunkene Margen, ein Kurs, der sich mehr als halbiert hat. Der Branchendruck ist brutal. Chip-Hersteller wie NVIDIA oder Samsung drücken auf die Preise, Lieferketten sind fragil, und der Hype um KI rettet Aixtron nicht. Im Gegenteil: Wer heute in Chip-Equipment investiert, setzt auf sichere Player. Hinzu kommt das Misstrauen der Anleger. "Langfristig folgt der Kurs der operativen Entwicklung" - bei Aixtron stimmt das aber nicht ganz. Trotz High-Tech-Deals dümpelt die Aktie auf niedrigem Niveau von 2015.
Chart-Check: Warum 7-8 Euro eine interessante Zone ist
Seit Anfang 2024 geht es für Aixtron nur noch abwärts von knapp 40 Euro auf aktuell rund 10 Euro. Der Chart sieht aus wie eine kaputte Brücke, deren Fahrbahn nach unten zeigt. Die große Widerstandszone liegt bei 10,50 - 11,50 Euro: Jeder Versuch, hier auszubrechen, scheiterte zuletzt. Solange die Aktie unter dieser Marke hängt, bleibt der Abwärtstrend intakt.
Unterstützung gibt es bei 7-8 Euro: Hier lag das letzte Tief vor dem Tech-Boom 2023. Charttechniker wittern hier eine "natürliche Bodenbildung" - wenn die Verkäufe nachlassen.
Der RSI (bei unter 30) signalisiert zwar: "Überverkauft!". Doch in einem schwachen Gesamtmarkt kann das egal sein und auch auf weitere schwache Kurse hindeuten. Aixtron braucht einen klaren Trendbruch - oder einen Sturz in den Wertbereich bei 7-8 Euro.
Was tun?
Für einen Einstieg bei Aixtron spricht:
- Technologie-Führer: Die G10-AsP beweist, dass Aixtron Innovationen liefern kann.
- Megatrends: 5G, KI & Co. brauchen photonische Chips - langfristig ein Riesenmarkt.
- Chart-Potenzial: Bei 7-8 Euro wäre die Aktie historisch gesehen günstig.
Dagegen spricht:
- Gewinnproblem: Solange die Zahlen nicht steigen, bleibt der Kurs unter Druck.
- Branchen-Risiko: Zölle, Chip-Kriege, Konjunktur - alles kann den Aufschwung bremesn.
Ein gelungener Einstieg mit einem attraktiven C/R-Verhältnis dürfte bei bei 7-8 Euro liegen. Bleibt alles so, entspräche dies einem KGV von um die 10 (bei 2025er Gewinnschätzungen) - ein Schnäppchen für einen Tech-Player. Die Stopps könnte man bei 6,20 Euro setzten und dann auf einen Break der 10,50 Euro warten mit Kursziel 15 Euro.
Die Börse ist zwar kein Wunschkonzert - aber manchmal zahlt sich Warten aus.
Autor: Felix Goldbach, FinanzNachrichten-Redaktion
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